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Raw Blame History

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 34 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

Wolf Ritscher

(»Transportservice«, finanzielle Ressourcen, zeitliches und motivationales Engagement). Kindheit ist nicht nur durch diese Erfahrungsräume, sondern vor allem durch die relative Distanz zu den Leistungsanforderungen des Erwachsenenalltages und die enge Bindung an die Familiendynamik gekennzeichnet.10 Jugend als eigene, von der Kindheit zu unterscheidende Stufe des Lebens zeichnet sich vor allem durch den Eintritt in die Pubertät, eine zunehmende und eigene Identitätszuschreibungen fördernde Selbstthematisierung sowie die immer mehr auf das Erwachsenenalter zugeschnitten Leistungsanforderungen und Selbstständigkeitsprivilegien aus. Jenseits dieser Stichworte wird die Lage unübersichtlicher: »Während man in den 50er- und 60er-Jahren noch mehrheitlich von einer weitgehend standardisierten Statuspassage Jugend ausgehen konnte, zeigen sich in den letzten Jahrzehnten Entstrukturierungen und Destandardisierungen [der Muster; W. R.], durch die sich das Jugendalter zu einem eigenständigen Lebensabschnitt entwickelte, innerhalb dessen sich spezifische soziale Lebensweisen, kulturelle Formen und politisch-gesellschaftliche Orientierungsmuster […] ausgebildet haben. Vor allem gibt es auch eine zeitliche Ausdehnung der Jugendphase nach hinten, also hinein in die 20er-Lebensjahre. Dies hängt mit der gestiegenen Verweildauer im Bildungssystem zusammen […] Dies geht einher mit einer relativen kulturellen Autonomie der Jugendlichen im Hinblick auf von den Erwachsenen abweichenden Lebensformen und Lebensstile sowie auf politische und gesellschaftliche Orientierungen« (Baacke 2003, S. 46 f.). Jugend findet sich jenseits der offiziellen Sozialisationssysteme auch in eigenen, von den Erwachsenen abgegrenzten und oft nicht pädagogisch vorstrukturierten Räumen, die mit ihren Vorlieben für bestimmte Medien verknüpft sind: in Kinos, Diskotheken, Platten- und Computerläden, Videotheken, Spielhallen, Buchläden, Kaufhäusern, Kneipen, der Frittenbude um die Ecke, auf Plätzen und in Parks in der Innenstadt, Jugendzentren, Gemeindehäusern, auf Sportplätzen, in Vereinshäusern usw. Jugendliche, deren Familien über finanzielle Spielräume verfügen, haben darüber hinaus auch immer die Möglichkeit, innerhalb der Familienwohnung eigene Nischen zu schaffen, in denen sie ihre Freizeit 10 Auch »Ausstoßung« (Stierlin 1975) oder Vernachlässigung (s. Schone et al. 1997) sind Prozesse, die im Rahmen einer Bindung an die Familiendynamik, nicht unbedingt an die Familie als Lebensort stattfinden.

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