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Raw Blame History

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9.1

Herkunft und Zukunft bedingen einander

„Kein Mensch kann den Wirkungen entgehen oder sich von den Einflüssen trennen, die von seiner Kindheit und Jugend her in sein späteres Leben dringen, auch und gerade, wenn diese Kindheit unter Einflüssen stand und Verhaltensweisen erzeugt hat, die es am liebsten vergessen möchte, zuerst vor sich selbst.“ (Christa Wolf in Auskünfte Werkstattgespräche mit DDR-Autoren). Die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft ist selten einfach. Bis in die sechziger Jahre war sie in der Bundesrepublik, in der DDR noch länger verpönt. In ihrem Buch Kindheitsmuster berichtet die Schriftstellerin von der Unfähigkeit sich „[…] aufzulehnen gegen die Übereinkunft, dass man keinen übertriebenen Anteil an sich selber nehmen soll, weil man damit was schlimmer zu sein scheint als Sterben das Befremden der anderen wecken und ihnen womöglich lästig fallen würde.“ (Wolf 1976, S. 277). Die meisten Eltern meiner Generation hatten diese Übereinkunft. Und diese Übereinkunft trennte sie von sich. Allerdings bewahrte sie sie auch vor schmerzlichen Erinnerungen und Auseinandersetzungen. Eine qualitative Untersuchung der Lebensentwürfe von sieben heimentlassenen jungen Erwachsenen (Wieland u. a. 1992) verdeutlicht eindrücklich, wie sehr die Zukunft mit der Herkunft verbunden ist. Ihre Lebensentwürfe kreisen im Wesentlichen um die Familie. Der Wunsch nach Anpassung und sozialer Integration prägt ihre Zukunftsvorstellungen. Sie wollen Kinder, um diesen zu ersparen, was sie erleben mussten, um etwas wieder gut zu machen. Ihre Geschlechtsrollen füllen sie herkunftsspezifisch aus. Die beruflichen Perspektivvorstellungen sind vorwiegend getragen vom Wunsch nach Anerkennung und sozialer Integration. Alle haben Zukunftsvorstellungen, die direkt die Herkunft berühren: Laura sucht eine Lebensperspektive, die auch die Rettung ihres jüngeren Bruders beinhaltet. Martin will schnell viel Geld verdienen, um nie mehr von irgendjemand abhängig zu sein. Sonja will den Stiefvater nicht anzeigen, damit die vier Geschwister ihren Vater nicht verlieren. Philipp (16-jährig) will nach Hause, dort trinken alle, dort wird das Trinken nicht reglementiert.