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6.5 Der Blick über das Individuum hinaus
Erstellen einer Familienskulptur Das Erstellen einer Familienskulptur bedeutet, dass ein Familienmitglied – das kann reihum gemacht werden – als »Bildhauer« mit den Familienmitgliedern eine Skulptur erstellt und zwar in der Weise, wie dieses Familienmitglied die Familie erlebt. Dabei sind alle Dimensionen des Raumes nutzbar. Als weiterer Schritt ist es möglich, einzelne Familienmitglieder ein Idealbild herstellen zu lassen. Eine weitere Variante besteht darin, dass der Bildhauer jedem Familienmitglied einen typischen Satz zuordnet und jedes Familienmitglied diesen Satz sagen muss. Das skulpturschaffende Familienmitglied ordnet sich dann selber zu. In einer Nachbereitung werden einzelne Familienmitglieder nach ihren Empfindungen in der Stellung als Skulptur befragt. Besonders wichtig ist es dabei, körperliche Prozesse und Gefühle abzufragen. Voraussetzung für das Erstellen einer Skulptur ist die Bereitschaft aller Mitglieder, besonders aber eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut und Familie. Gemeinsame Aktivitäten in der therapeutischen Sitzung Beispiele dafür sind: • gemeinsames Spielen bis hin zur »Familienspieltherapie« (vgl. Kemper 1997) • Familie-in-Tieren-Zeichnen: Jedes Familienmitglied zeichnet für sich die Familie in Tierfiguren und dies wird dann gemeinsam durchgesprochen. Die dargestellten Techniken dürfen und sollen im therapeutischen Prozess nicht Selbstzweck sein; sie müssen immer im originären Zusammenhang stehen mit der aktuellen (innerpsychischen) Situation des je konkreten Patienten. Für diesen sollen sie eine Hilfe zum besseren (Selbst‐)Verstehen und damit auch zur Veränderung der Beziehungsgestaltung darstellen. Wie Rogers (1987, S. 61 ff) beschrieben hat, kommt es im Verlauf von gestörten Beziehungsprozessen – und mit diesen haben wir es ja in der Kooperation mit Bezugspersonen unmittelbar zu tun – zu einem wechselseitigen Kreislauf von Wahrnehmungsverzerrungen, Abwehrreaktionen, Inkongruenzen und schließlich abwehrendem und abwertendem Verhalten. »Angeleitete Anstöße«, wie sie die technischen Elemente bieten, können neue Wahrnehmungen ermöglichen und damit den Kreislauf unterbrechen und Erstarrungen »aufweichen«. In der Therapeuten-Patienten-Beziehung kann das Anbieten von Techniken als ein Ausdruck von Wertschätzung verstanden werden: Der Therapeut bietet dem Patienten in einer als festgefahren und aussichtslos erlebten Situation eine konkrete, fokussierte Hilfe an – es wird ermöglicht, die immer wiederkehrenden Probleme mit einem anderen, neuen Zugang anzugehen.
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