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6.3 Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen
in Bewusstes, es trägt somit auch zur besseren Verankerung neuer Erfahrungsinhalte bei. Der Therapeut bewegt sich also immer auf zwei Ebenen gleichzeitig: einmal auf der Realebene, zum andern auf der Spiel- bzw. Symbolebene. Damit verbunden sind auch mehrere Rollen: Der Therapeut ist einerseits ein in der Realität verankerter Erwachsener, der Orientierung bietet, er ist aber auch immer Spielpartner bzw. Mithandelnder auf der Symbolebene« (Fröhlich-Gildhoff et al. 2004b, S. 179). Die Schwierigkeit sei an dem, Kindertherapeuten sicherlich gut bekannten, Beispiel verdeutlicht, wenn ein Kind bei Regelspielen absichtlich »mogelt«, also die Spielregeln verletzt, um sich einen Vorteil zu verschaffen: Es ergibt sich die Frage, ob, wann und wie dies durch den Therpeuten angesprochen werden soll: Ein Kind, das z. B. aufgrund vieler Ablehnungserfahrungen immer wieder versuchen muss, seinen gefährdeten Selbstwert durch das unbedingte GewinnenMüssen zu sichern, reinszeniert dieses Grundmuster in der dargestellten Situation. Dieses Kind wird eine gewisse Zeit genau diese Ausdrucksform auch in der Therapiesituation benötigen. Andererseits wird es im Alltag durch dieses Verhalten wiederum Ablehnung durch andere hervorrufen, also sich in seiner inneren »Weltbegegnungshaltung« bestätigen. Die Chance der Therapie besteht darin, dass dieses Muster angesprochen werden kann, für das Spiel (neue) gemeinsame Regeln gefunden werden und das Kind die Erfahrung macht, auch in diesem Verhalten »angenommen« zu sein – ohne dass die andere Person (Therapeut) die Grenzüberschreitung dauerhaft kommentarlos hinnimmt – weil die bloße Wiederholung des Immer-Gleichen dem Kind nicht weiterhilft. Für ein anderes Kind, das aus Angst, die Zuneigung der Bezugspersonen zu verlieren, sich bisher immer sehr zwanghaft an vorgegebene Ordnungen und Vorgaben gehalten und damit eigene Wünsche und Bedürfnisse zurückgehalten hat, kann das »Mogeln« ein Entwicklungsfortschritt sein: Es probiert heimlich aus, wie es ist, die eigenen Interessen auch mit einer Grenzüberschreitung durchzusetzen. In diesem Fall wird der Therapeut die Regelverletzung wahrscheinlich lange Zeit gar nicht ansprechen und sich still über die Expansionen des Kindes freuen. Die Interventionen, das Handeln in der Situation Grundsätzlich lassen sich – auf dem Hintergrund einer tragenden und entwicklungsförderlichen therapeutischen Beziehung – folgende Interventionsebenen unterscheiden (c Abb. 6.4): Bezugspunkte für die Intervention sind die jeweilige aktuelle Situation (»Hier und Jetzt«) und die »Lebensthematik« (die Inkongruenzen bzw. intrapsychischen Konflikte, die bisherigen zentralen Beziehungserfahrungen, die Ressourcen und Bewältigungsformen usw.). • Handlungsebene: Das Beobachtete wird von dem Therapeuten beschrieben – hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, Akzente zu setzen (und z. B. spezifisch ressourcenorientiert zu intervenieren). Verbalisierungen des Geschehens auf der Handlungsebene machen einen großen Teil der Interventionen aus. Sie sind für die Kinder hilfreich, weil sie erleben, dass ein Erwachsener sich für sie interessiert 263