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Raw Blame History

5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

in Wechselwirkungen mit seiner Umwelt. Es bildet sich eine Selbststruktur heraus aufgrund derer aktuelle Anforderungen und Entwicklungsaufgaben bewältigt werden müssen die (hyper)aktive Bewältigung ist ein Modus, der dann wieder verstärkend wirkt. Dieses Modell kann für die ADHS (c Abb. 5.7) spezifiziert werden. Die einzelnen Elemente sollen im Folgenden genauer betrachtet werden. Biologische Ebene In verschiedenen Familienstudien wurden z. T. deutlich höhere Konkordanzraten bei monozygoten (eineiigen) Zwillingen mit identischer genetischer Ausstattung festgestellt, als bei zweieiigen Zwillingen. »In Familienstudien von Kindern mit ADHS wurde eine höhere Prävalenz von 1035 % als in Familien ohne ADHS festgestellt« (Streeck-Fischer 2006a, S. 84). Ähnliche Ergebnisse finden sich in Adoptionsstudien (vgl. Quaschner & Theisen 2005; Streeck-Fischer 2006a; SchulteMarkwort & Düsterhus 2003). Die genetischen Studien könnten so die sogenannten »Dopaminmangel-Hypothese« stützen, wonach eine unzureichende dopaminerge Aktivität dazu führen soll, dass die Leitsymptome auftauchen. »Dopamin wirkt auf alles stimulierend, was unter Beteiligung des dopaminergen Systems gesteuert wird. Dopamin wird als Lern-Neurotransmitter oder auch als Belohnungstransmitter angesehen (…). Es bringt gleichsam Ruhe und Ordnung in die neuronalen Systeme. Dopamin stellt eine Verbindung zwischen Belohnung, Neugier und der exekutiven Funktion her. Es unterstützt damit das Aufmerksamkeitssystem und die Fähigkeit zu lernen und das Gedächtnis« (Streeck-Fischer 2006a, S. 84). Allerdings ist die Verbindung zwischen der Störung des Dopaminsystemes und genetischen Faktoren nicht nachgewiesen. Es gibt eine Reihe von Studien, die darauf hinweisen, dass »der Dopaminspiegel unmittelbar von unterschiedlichen Umwelteinflüssen abhängig ist« (ebd.; vgl. auch Spitzer 2002; Hüther & Bonney 2002). So geht die Entwicklungswissenschaft (vgl. Petermann et al. 2004) davon aus, dass sich Verhalten und Persönlichkeitsentwicklung nur aus dem Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren erklären. Umweltfaktoren bestimmen, in wieweit die genetischen Voraussetzungen zum Tragen kommen (vgl. ausführlicher Kap. 3.3.2 in diesem Buch). Streeck-Fischer (2006a) betont: »Frühe Umwelteinflüsse werden zugunsten von konstitutionellen Prädispositionen und Entwicklungsdiskontinuitäten unterbewertet. In biomedizinischen Modellen nimmt die frühe Sozialisation nur einen randständigen Platz ein« (ebd., S. 84). Ähnlich differenziert müssen festgestellte Veränderungen der Hirnstruktur und Hirnfunktionen gesehen werden. Veränderte Hirnstrukturen sind Ausdruck der (kindlichen) Hirnentwicklung so bleibt unklar, ob die immer differenzierter festzustellenden Veränderungen in der Hirnstruktur Korrelate einer Störung, nicht aber deren Ursachen sind (vgl. Hüther & Bonney 2002, S. 23 f; Hüther 2006a). Stadler et al. (2006) untersuchten, inwieweit auch bei Eltern von Kindern mit ADHS-Diagnose in deren Kindheit ADHS-Symptome aufgetreten sind und z. T. noch persistieren. Sie konnten feststellen, »dass bei einem beträchtlichen Teil der untersuchten Eltern in der Kindheit eine klinisch relevante Aufmerksamkeits-Hy136