2.2 KiB
5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
Epidemiologie und Verlauf Epidemiologie Bei der Betrachtung epidemiologischer Daten besteht das grundsätzliche Problem, dass die Studienlage relativ diffus ist, vor allem, weil klare Definitionskriterien in der Vergangenheit zur Einstufung der Störungen fehlten. Im Rahmen der KiGGS-Studie wurden 6.634 Kinder und Jugendliche befragt; dabei fanden sich bei 21,9 % der Jugendlichen im Alter von 11–17 Jahren Hinweise auf eine Ess-Störung (Mädchen: 28,9 %, Jungen 15,2 %; RKI 2007; in der KiGGS-Welle 2 waren dies noch 19,8 % der Befragten, Wunderer 2022). Es besteht eine relativ hohe Dunkelziffer: Insbesondere hinsichtlich der Bulimie handelt es sich eher um Schätzungen, weil viele Betroffene ihre Erkrankung verbergen. Daher ist die Verlässlichkeit der Zahlen mit Einschränkungen zu betrachten (c Tab. 5.3): Tab. 5.3: Epidemiologische Daten zu den Ess-Störungen (vgl. Franke 2001; Fichter & Warschburger 2000; Herpertz-Dahlmann et al. 2005) Prävalenz
Anorexia nervosa
Bulimie nervosa
Adipositas
nach Franke (2001) und BZgA
Frauen 0,5 – 1 %
Gesamt: 2 – 4 %
Frauen: 9 – 25 % Männer: 10 – 16 %
nach Fichter & Warschburger (2000)
1 – 39 % der Frauen im kritischen Alter (19 – 35 Jahre)
20 – 27 %
nach Herpertz-Dahl- adoleszente Schulmann et al. (2005) mädchen: 0,5 %
Adoleszente: 0,5 %, junge Erwachsene: 2–3%
nach Warschburger & Kröller (2005)
6 – 8 % der Kinder und Jugendlichen
Geschlecht
ca. 95 % aller Erkrankten weiblich
ca. 90 % aller Erkrankten weiblich
Alter/Erkrankungsgipfel
12 – 23 Jahre/ 14. und 20 – 30 Jahre 18. Jahr
40 – 65 Jahre
Soziale Schicht
Vor allem: höhere Mittelschicht
Unter-:Oberschicht 6:1
nach Fichter & Warschburger (2000)
Bei Kindern kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Schicht und Gewicht
Eher: Mittelschicht
geringfügig häufiger bei Frauen
Während in zwei Überblicksartikeln (Fichter & Warschburger 2000, Franke 2001) die Aussage gemacht wird, dass keinerlei Hinweise auf das Ansteigen der Prävalenzraten bei Bulimie und Anorexie vorliegen, so stellen Herpertz-Dahlmann et al. (2005) fest: »Langzeitstudien machen deutlich, dass die Inzidenz der Magersucht bei 114