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3 Allgemeines Modell der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten
ren« kommen und bei einer »mangelnden Passung zwischen Temperamentsmerkmalen und Umweltanforderungen« dann zu Verhaltensauffälligkeiten (Schmeck 2003, S. 162, zum Zusammenhang von Temperament und Bindung s. a. Strauß, Buchheim & Kächele 2002). Hier wird deutlich: Auch ein »schwieriges Temperament« ist kein unabänderliches Schicksal. Entscheidend ist, wie sich im Zusammenspiel zwischen dem Kind und seiner Umwelt die »Schwierigkeiten« besonders der Emotionsregulation beeinflussen und verändern (lassen) (c Kap. 3.3.2).
3.3.2
Soziale Prozesse: Frühkindliche (Beziehungs‐) Erfahrungen
Der von Geburt an »kompetente« Säugling (s. o.) tritt von der ersten Lebensminute in Interaktion mit seiner Umwelt, vor allem seinen Bezugspersonen. Die dabei gemachten realen und emotional bewerteten Interaktionserfahrungen sind die Grundlage für die Bildung handlungsleitender innerpsychischer Repräsentationen (Schemata), der Selbststruktur. Dabei kommt es auf eine möglichst gute »Passung zwischen Kind und Bezugspersonen« (Resch 2004, S. 37, vgl. auch Papousek 2004) an, die dann zur konsistenten Befriedigung kindlicher Bindungs- und Kontrollbedürfnisse führt (vgl. Grawe 2004) und positiv gesehen die »intuitive Elternschaft« (Papousek 2004) stärkt. Wichtige Variablen in diesen frühen Interaktionsprozessen sind u. a. Empathie und »Feinfühligkeit« (Ainsworth et al. 1978), das Ermöglichen von Regelmäßigkeit, das adäquate Spiegeln der Lebensäußerungen des Kindes und entsprechende »soziale Rückversicherung« (Resch 2004, Behr 2002, Petermann & Wiedebusch 2003, zusammenfassend auch: Fröhlich-Gildhoff 2003a, S. 62 ff). Vier Faktoren kommt besondere Bedeutung zu, a) dem Erfahren einer sicheren Bindung, b) der Unterstützung kindlicher Emotionsregulation und Affektabstimmung, c) dem Aufbau der Fähigkeit zur Perspektivenübernahme und Mentalisierung, d) dem Erleben von Kontrolle und Selbstwirksamkeit. Diese vier Faktoren werden im Folgenden genauer betrachtet. a)
Das Erfahren einer sicheren Bindung
Das Erfahren einer sicheren Bindung stellt nicht nur die Grundlage für späteres eigenständiges, sicheres Bindungsverhalten dar, sondern hat größte Bedeutung für die Entwicklung einer stabilen, kohärenten Selbststruktur und deren Basis, des »Kern-Selbst« (Stern 1995). Nur wenn der Säugling regelmäßige, klare und konsistente Bindungserfahrungen machen kann, kann er entsprechende intrapsychische Repräsentanzen aufbauen, die dann wiederum eine sichere Basis für Neugierverhalten und eine »offene« Weltbegegnungshaltung bilden. Bei entsprechenden Beeinträchtigungen gelingt dies nicht. 46