2026-001/documents/theory/diagnostics/philipp-sucht-sein-ich/pages/247.md

2.2 KiB

247

können dies nur durch die Reflexion ihres eigenen Geschlechtsrollenverständnisses: „Ein von patriarchalen Bestandteilen befreites männliches Rollenkonzept zu vermitteln, erfordert vor allem in der Jugend- und Bildungsarbeit, sich selbst reflexiv einzubringen […] Ohne eigenes radikales Abrücken von traditioneller Männlichkeit und gewaltbesetzter Geschlechtszugehörigkeit kann ein Mann nicht Vorbild sein für eine männliche Identität, die aus der Geschlechtszugehörigkeit keinen Macht- und Führungsanspruch herleitet“ (Heiliger 1998, S. 10). Die Frauen werden aufgefordert die heutige Vielfalt von Bildern und Vorstellungen über Mädchenleben zu akzeptieren und sichtbar zu machen. Das Wahrnehmen von geschlechtsspezifischen Lebenslagen, die Unterstützung der Mädchen in der Auseinandersetzung mit ihren Bildern und Vorstellungen setzt eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte als Frau voraus. Die sexualpädagogische Zurückhaltung in Heimen ist möglicherweise eine Folge der Koppelung von Sexualität und Gewalt. Immerhin war Sexualpädagogik zu Zeiten der Heimkampagne eines der großen Themen der Heimerziehung. Vielleicht erschweren zusätzlich die direkte Betroffenheit professioneller Bezugspersonen die Entwicklung von Sexualpädagogik. Die Erfahrungen der Kinder berichten von zerstörerischer Sexualität bzw. von sexualisierter Macht, sie transportieren Frauenverachtung und die Verachtung von Kindern. Die Übertragung sexualisierter Traumatisierung macht Angst, erweckt Ekel, betrifft möglicherweise das eigene sexuelle Empfinden. Der Wunsch der Pädagog*innen nach Schutz mündet im Tabu, das Tabu kann in Bedrohung münden. Deshalb müssen wir uns den Anforderungen der Sexualpädagogik stellen. Das beinhaltet die Reflexion der eigenen sexuellen Normen und der Entwicklung der eigenen Erwachsenensexualität und die Notwendigkeit, die tabuisierten Gegenübertragungsreaktionen (14.3) wie z. B. sexuelle Erregung, zu thematisieren und zu reflektieren. Wir brauchen die Fähigkeit, über Sexualität und sexuelle Misshandlung auch in sexueller Sprache zu reden. Alle, die mit sexuell auffälligen Mädchen und Jungen arbeiten, werden ihre Gefühlsreaktionen, Bewertungs- und Handlungsmuster auf sexuell auffälliges Verhalten kennen bzw. kennenlernen