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4.0 KiB

Führe eine vertiefte Analyse mit praxisrelevanten Methoden durch. Die Analyse ist das «Scharnier» zwischen Datenerhebung und Verstehen — Informationen ordnen, bewerten und gewichten. Zentrales Ziel: Bestimmung der Fallthematik — «Worum geht es in diesem Fall eigentlich?» (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 190).

Zentrale Prinzipien

  • Komplexität erst erweitern, dann reduzieren: In der Datenerhebung gezielt neue Informationen (Einschätzungen, Bewertungen, Beurteilungen) einholen; in der Auswertung fachlich beurteilen und gewichten (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 190).
  • Methodenstandard: Mindestens zwei Analysemethoden einsetzen, davon mindestens eine, die die Einschätzungen der Klient*innen direkt aufnimmt (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 227).
  • Konstatieren, nicht erklären: In der Analyse wird festgestellt, WAS ist — nicht WARUM. Erklärungen gehören erst in die Diagnose (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191).
  • Ressourcen und Probleme: Die Analyse bezieht sich stets auf beides — Probleme/Risiken herausarbeiten UND individuelle/soziale Ressourcen erkennen (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 190).

Vorgehen in 4 Schritten

  1. Methodenwahl — Geeignete Analysemethoden fallbezogen auswählen und begründen
  2. Datenerhebung — Auslegeordnung: Einschätzungen, Bewertungen, Beurteilungen verschiedener Beteiligter einholen (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 188)
  3. Auswertung — Konstatierende Hypothesen bilden: Zentrales, Auffallendes, Widersprüchliches, Irritierendes festhalten und gewichten (Praxis, S. 111)
  4. Fallthematik — Alle konstatierenden Hypothesen sichten, gewichten und zur Fallthematik verdichten (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191)

Methoden-Übersicht

Perspektivenanalyse (mit Beteiligten):

  • MAP-Methode: Stärken, Bedürfnisse, Träume und Befürchtungen aller Beteiligten herausarbeiten (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 194)
  • Arbeitshilfen nach von Spiegel: Tabellen für Situations- und Problemanalyse (S. 196)

Notationssysteme:

Weitere Methoden:

Tipps zu konstatierenden Hypothesen

  • Gehe gedanklich auf eine Metaebene (Vogelperspektive) und halte fest, was zentral, auffallend, widersprüchlich oder irritierend ist (Praxis, S. 111).
  • Hilfsfragen je nach Methode: z. B. bei einer Netzwerkkarte → Wer steht nah, wer fern? Gibt es auffallende Konstellationen?
  • Bringe Hypothesen in den Dialog mit Klient*innen — Hypothesenvalidierung ist Teil der Kooperation (Praxis, S. 112).
  • Kein «weil», «deshalb», «aufgrund» — nur feststellen, nicht erklären!