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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
Zusammenfassung
Reaktionen von Kindern und Jugendlichen auf schwere Belastungen führen je
nach Art, Schwere und Dauer des traumatisierenden Ereignisses, zeitlichem
Abstand zum Ereignis und abhängig vom Alter des Kindes zu einer großen
Bandbreite von Symptomen. Dies schlägt sich auch in einer Vielzahl von Diagnosen und Komorbiditäten nieder. Unterschieden werden sogenannte Typ 1und Typ 2-Traumata. Typ 1-Trauma bezeichnet einmalige unvorhersehbare Ereignisse, Typ 2-Trauma bezeichnet dagegen Erfahrungen chronischer (in der
Regel früh einsetzender) Traumatisierung wie lang anhaltende familiäre Gewalt
und sexuellen Missbrauch. Ein Trauma wird nach Fischer und Riedesser (1998)
definiert als »vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltbild bewirkt«.
In dem Diagnosesystem ICD-10 wird die akute Belastungsreaktion, von Anpassungsstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen unterschieden;
eine ähnliche Differenzierung findet sich in der ICD-11.
Epidemiologische Studien weisen eine Prävalenzrate bei Kindern und Jugendlichen von 1,31,6 % auf; bezogen auf die Lebenszeitprävalenz ergeben sich
Raten zwischen 4 und 6 %. Allerdings bestehen hohe Komorbiditätsraten zu
anderen seelischen Erkrankungen.
Insbesondere beim Erleben (und nicht Verarbeiten) früher Traumata besteht
eine hohe Vulnerabilität, damit eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für
spätere (schwere) seelische Erkrankungen.
Für die Traumatherapie mit Kindern und Jugendlichen haben sich Standards
entwickelt, an denen sich jede Form von psychotherapeutischer Intervention
orientieren sollte: Schutz vor weiterer Traumatisierung und Retraumatisierungen (besonders wichtig ist hier eine Stabilisierungsphase), Ressourcenorientierung als dauerhaft zu realisierendes Prinzip, Sicherung der Unterstützung des
Kindes durch Bezugspersonen und Umwelt, besondere Beachtung von verletzten
Sicherheits- und Kontrollbedürfnissen, womöglich: vorrangige Behandlung der
traumatisierenden Erfahrung vor der Behandlung von komorbiden Symptomen.
Besondere Bedeutung hat eine sicherheitsgebende Beziehungsgestaltung, die
transparent und dialogisch strukturiert ist. Kinder und Jugendliche müssen
maximale Kontroll- und Wahlfreiheit in Bezug auf Symbolisierungsebene,
Zeitpunkt und Dosis der Konfrontation mit dem Trauma haben. Andererseits
brauchen sie eine klare Führung und Struktur bei der Traumakonfrontation. Auf
dem Hintergrund dieser Sicherheit und Schutz bietenden Beziehungsgestaltung
können dann spezifische Methoden zur gezielten Bearbeitung des Traumaerlebens eingesetzt werden (wie z. B. traumafokussierte kognitiv-behaviorale Therapie, EMDR oder Spielpsychotherapie).
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