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Im Zuge der Individualisierung lösen sich die klassischen Rollenbilder
für Geschlechter-, Paar- und Familienbeziehungen auf. Väter können
bisher mütterliche, Mütter bisher väterliche Aufgaben übernehmen,
Männer entdecken ihre weibliche, weiche Seite, Frauen ihre
Durchsetzungskraft in öffentlichen sozialen Räumen.
Es entstehen neben der zweigenerationalen Kernfamilie und der
immer noch existierenden Dreigenerationenfamilie eine Vielzahl
kulturell akzeptierter privater Lebensformen:
Einelternfamilien;
Fortsetzungs- bzw. Stieffamilien;
Pflege- und Adoptivfamilien;
Single-Haushalte als auch von jüngeren Menschen für sich
(mindestens zeitweise) gewählter Lebensrahmen;
freiwillig kinderlose Ehepaare;
unverheiratete Paare mit Kindern und ohne Kinder;
Paare unter dem Motto Living a part together;
homosexuelle (schwule und lesbische) Paare;
additive und integrierte Wohngemeinschaften.
Vieles ist möglich und kann auch zeitlich begrenzt gewählt werden.
Die klassische Kernfamilie, die sich im Rahmen der bürgerlichen
Gesellschaft herausgebildet hat, ist immer noch die statistisch
häufigste Familienform und auch das Beziehungsideal der meisten
Menschen. Doch sie ist nicht mehr das alleinige normative Paradigma
langfristiger Beziehungen. Vor allem Frauen gewinnen durch die neue
Vielfalt der Lebens- und Familienformen einen größeren
Freiheitsspielraum innerhalb und außerhalb der Familie. Dass heute in
Deutschland mehr Scheidungen von Frauen als von Männern
beantragt werden, spricht für diese These. Doch scheint mir eine
funktionierende Familie bei allen Defiziten immer noch die beste
Institution, um Kinder zu erziehen bzw. zu sozialisieren.
Die Informations- und Mediengesellschaft fördert einerseits die
Individualisierung. Andererseits fördert sie auch Uniformisierung,
indem durch aufdringliche Bilder von wünschenswertem Sozial- und