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Forschung und therapeutischer Arbeit mit Opfern sexueller und politischer Gewalt (dt. 1993). In Deutschland thematisierten Frauen der neuen Frauenbewegung „Männergewalt gegen Frauen“. Frauenhäuser für misshandelte Frauen und Notrufstellen für vergewaltigte Frauen wurden eingerichtet. In der Bundesrepublik schrieb 1982 Alice Miller in der Frauenzeitschrift Brigitte „Die Töchter schweigen nicht mehr“, ein Artikel über sexuelle Gewalt von Vätern gegen Töchter. Feministische Projekte wie Wildwasser Berlin (1983) und Zartbitter Köln (1987) entwickelten Analysen, Haltungen und Methoden. 1984 veröffentlichten Barbara Kavemann und Ingrid Lohstöter das Buch ‚Väter als Täter‘. Betroffene Frauen organisierten Selbsthilfegruppen für Frauen, die als Mädchen sexuell missbraucht wurden. Mit der Zeit wurden auch Jungen als Betroffene stärker wahrgenommen (Bange/Enders 1995).
4.4
Herausfordernde Lebensumstände von Mädchen und Jungen
In der Wahrnehmung der historischen Entwicklung spielt die Geschichte von Kindheit nur eine untergeordnete Rolle. In der historischen Perspektive wissen wir wenig über lebensgeschichtliche Risiken und Traumatisierungen von Kindern und darüber, wie diese in der Gesellschaft jeweils wahrgenommen wurden. Im Vergleich dazu spielten die Ausbeutung durch Arbeit und die Durchsetzung des totalen Gehorsams in der Geschichte der Pädagogik bereits recht früh eine Rolle. Die Sorge um Kinder war bis in das 20. Jahrhundert hinein auf verwaiste und ausgesetzte Kinder beschränkt. Charles Dickens z. B. beschrieb das Schicksal armer und ausgebeuteter Kinder. Erste Gesellschaften, die die Grausamkeit gegen Kinder bekämpften, wurden in England und Amerika in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet. In Frankreich veröffentlichte 1860 der Professor für Gerichtsmedizin an der Universität Paris Ambroise Auguste Tardieu eine gerichtsmedizinische Studie über Misshandlung und schlechte Behandlung von Kindern. Darin beschreibt er das ganze Spektrum sexueller und körperlicher