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A Das Trauma
„Für mich ist das einzig wirklich Spezifische dieser Geschichte, dass sie meine
Geschichte ist, dass sie mir passiert ist. Und vor allem, dass ich über die Bewertung des von mir Erlebten frei entscheiden kann: Es steht mir frei, es nicht zu
begreifen, es steht mir frei, es als moralisches Urteil, als Ressentiment auf andere
zu projizieren oder es umgekehrt zu rechtfertigen doch es steht mir auch frei,
es zu begreifen, darüber erschüttert zu sein und in dieser Erschütterung meine
Befreiung zu suchen, es also als Erfahrung zu verdichten, zu Wissen zu formen
und dieses Wissen zum Inhalt meines weiteren Lebens zu machen.“
(Imre Kertesz)
Das griechische Wort „Trauma“ bedeutet so viel wie Wunde.
Definitionen und Interpretationen von Traumata gibt es in verschiedenen Zusammenhängen und Inhalten, z. B. im medizinischen,
biologischen und rechtlichen Kontext. Wir beschäftigen uns in
diesem Buch mit psychischen Traumata. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Traumata im → ICD 10 als „[…]
ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher
Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes (kurz- oder langanhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verstörung hervorrufen
würde.“ Traumata treten durch Ereignisse auf, die die normalen
Anpassungsstrategien des Menschen überfordern. Sie sind eine
Bedrohung für Leben und körperliche Unversehrtheit. Psychische
Traumata sind immer von Gefühlen intensiver Angst, Hilflosigkeit
und Kontrollverlust begleitet. Nach Freud ist ein Trauma „[…] ein
Erlebnis, welches dem Seelenleben innerhalb kurzer Zeit einen so
starken Reizzuwachs bringt, dass die Erledigung oder Aufarbeitung
derselben in normal-gewohnter Weise missglückt, woraus dauernde
Störungen im Energiebetrieb resultieren müssen.“ (Freud 1917,
GW XI, S. 284). Wenn Handeln keinen Sinn hat, weder Widerstand noch Flucht möglich sind, ist das Selbstverteidigungssystem
des Menschen überfordert, die Folge sind traumatische Reaktionen
(Herman 1993, S. 54 ff.).