2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-traumapaedagogik/pages/487.md

3.0 KiB
Raw Blame History

Literatur

deponiert« (Volkan/Walde 2000, S. 946). Mit dieser Deponierung erhalten die nachfolgenden Generationen den unbewussten Auftrag, die Verluste zu betrauern und die Erniedrigung ungeschehen zu machen. So werden die verletzten Selbstund Objektbilder von Generation zu Generation weitergegeben, und die historische Bedeutung des Ereignisses verliert an Bedeutung gegenüber der psychologischen. Vielmehr wird eine ethnische oder nationale Gruppe über das »auserwählte Trauma« zusammengeschmiedet und erhält von diesem jeweils neue Aufgaben und Funktionen. Mit diesem Konzept werden die Reichweite und die Wirkmächtigkeit der unbewussten Weitergabe von Traumatisierungen deutlich, die sich nicht nur auf den Bereich der Einzelnen beziehen, sondern ebenso in gesellschaftlichen und nationalen Zusammenhängen auftreten und dort zu massiven Konflikten führen können.

Literatur Auerhahn, N. C./Prelinger, E. (1983): Repetition in the concentration camp survivor and her child. In: International Review of Psychoanalysis 10, S. 3146. Bergmann, M. S./Jucovy, M. E./Kestenberg. J. S. (Hrsg.) (1995): Kinder der Opfer Kinder der Täter. Psychoanalyse und Holocaust. Frankfurt am Main: Fischer. Faimberg, H. (1987): Die Ineinanderrückung (Telescoping) der Generationen. Zur Genealogie gewisser Identifizierungen. In: Jahrbuch der Psychoanalyse 20. Stuttgart: Fromann-Holzboog, S. 114142. Faimberg, H. (2009): Teleskoping. Frankfurt am Main: Brandes & Apsel. Ferenczi, S. (1932): Sprachverwirrung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind. Die Sprache der Zärtlichkeit und der Leidenschaft. In: Ferenczi, S.: Bausteine zur Psychoanalyse. Bern: Huber, S. 511525. Fischer, G./Riedesser, P. (2009): Lehrbuch der Psychotraumatologie. München/Basel: Ernst Reinhardt. Greenacre, P. (1959): On focal symbiosis. In: Jessner, L./Ravenstedt, E. (Hrsg.): Dynamic psychopathology in childhood. New York: Grune & Stratton, S. 243256. Kestenberg, J. S. (1972): How children remember and parents forget. In: International Journal of Psychoanalytic Psychotherapy, H. 12, S. 103123. Kestenberg, I. S. (1982): A psychological assessment based on analysis of a survivors child. In: Bergmann, M. S./Jucovy, M. E. (Hrsg.): Generations of the Holocaust. New York: Columbia University Press, S. 158177. Khan, M. M. R. (1963/1997): Selbsterfahrung in der Therapie. Eschborn: Klotz. Kogan, I. (1998): Der stumme Schrei der Kinder. Die zweite Generation der Holocaust-Opfer. Frankfurt am Main: Fischer. Kogan, I. (2009): Flucht vor dem Selbstsein. Stuttgart: Klett-Cotta. Küchenhoff, J. (1990): Die Repräsentation früher Traumata in der Übertragung. In: Forum Psychoanal 6, S. 1531. Laplanche, J. (1988): Die Allgemeine Verführungstheorie und andere Aufsätze. Tübingen: Edition Diskord. Laplanche, J. (1996): Psychoanalysis as anti-hermeneutics. In: Radical Philosophy 79, S. 712. Pines, D. (1993): The impact of the Holocaust on the second generation. In: Pines, D. (Hrsg.): A womans unconscious use of her body. London: Virago.

487