2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-traumapaedagogik/pages/436.md

2.1 KiB

436

Traumasensible Netzwerkarbeit

Traumasensible Netzwerkarbeit Ein Aufwand, der sich lohnt Hedi Freude

Ein afrikanisches Sprichwort sagt, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen. Netzwerke erziehen, sozialisieren, leiten an und kontrollieren. Aber sie geben auch soziale Unterstützung, indem sie in der Gruppe Akzeptanz und Rückhalt geben, Hilfe bei Aufgabenbewältigung oder Krisenüberwindung anbieten. Sie können also sozialen Stress vermindern, vermeiden und abbauen (Nestmann et al. 2008, S. 21). In diesem Sinne fordert Vernetzung aktives Miteinander. Die traumapädagogische Übersetzung dazu heißt, es braucht Netzwerke im Sinne von Verantwortungsgemeinschaften, um junge Menschen mit traumatischer Erfahrung unterstützend und korrigierend zu begleiten. So integriert können Netzwerke heilende Gemeinschaften sein, wie sie Bruce Perry und Maia Szalavitz verstanden haben (2014, S. 290). Im folgenden Artikel definieren wir Netzwerke und ihre unterschiedlichen Funktionen. Dazu werden die Erkenntnisse der Klinischen Sozialarbeit mit den Handlungsfeldern der Sozialarbeit und der traumapädagogischen Haltung in Verbindung gebracht.

Was sind Netzwerke? Der Netzwerkbegriff hat in verschiedenen Wissenschaften und Bereichen jeweils unterschiedliche Bedeutung (Gahleitner 2019) und ist somit heterogen. Soziale Arbeit ist interdisziplinär angelegt und ohne Netzwerkarbeit kaum denkbar, durch sie entstehen mehr Möglichkeiten der sozialen Unterstützung für junge Menschen (Quilling et al. 2013, S. 29). Dabei sollte zwischen »fall- und feldbezogenen Netzwerken« und anlassübergreifenden Kooperationsstrukturen unterschieden werden (Gahleitner/Homfeldt 2012, S. 249). Die Netzwerktheorie (Gahleitner 2019) in der Traumapädagogik beachtet die Bedeutung von sozialen Netzwerken und systemischen Ansätzen in der Arbeit mit jungen Menschen. Auf der Ebene der Netzwerktheorie lassen sich soziale Netzwerke in drei Bereiche untergliedern (Pauls 1997): • primäre Netzwerke: mikro-soziale, persönliche Netzwerke, familiale Netzwerke, Freundinnenschaften oder Nachbarinnenschaften