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Kooperation und psychosoziale Traumaarbeit

stellen Fegert, Kölch und Ziegenhain (2014, S. 117f.) im Zusammenhang mit einer Kooperation der sozialen Dienste die Notwendigkeit mischfinanzierter Hilfen fest mit der Unumgänglichkeit einer entsprechenden Gesetzeserweiterung. Auch fehlt es an Systematisierung: Grob betrachtet lassen sich professions- und organisationsbezogene Kooperationen unterscheiden. Während professionsbezogene freiwillig erfolgen, oft »auf langjährigen vertrauensvollen, stark persönlich eingefärbten Beziehungen beteiligter Akteure« (Bauer 2011, S. 352) agieren, sind in organisationsbezogenen Kooperationen die Professionellen in erster Linie Vertreterinnen ihrer sozialen Dienste. Zur Entwicklung einer gemeinsamen Kooperationsperspektive gehört als Voraussetzung (Gahleitner/Homfeldt/Fegert 2012) ein klares Profil der beteiligten Professionen mit ihren konzeptionellen Grundlagen, Aufgabenfeldern, Zielgruppenspezifika und Grenzen einerseits und ein gemeinsames bzw. abgestimmtes Aufgaben- und Zielverständnis andererseits. Auch der Blickwechsel von einer Anbieterinnen- zu einer Akteurinnenperspektive, d. h. zu Kindern und Jugendlichen als Akteurinnen mit einer je spezifischen und eigensinnigen Handlungsbefähigung, also Agency (zum Agency-Verständnis siehe Homfeldt/Schröer/ Schweppe 2008) ist erforderlich. Werden sie als Klientinnen, als Adressatinnen oder als Nutzer*innen verstanden? Wird vorrangig auf Ressourcen oder auf Beeinträchtigungen und Defizite geschaut? Gibt es ein einvernehmliches Begriffsinventar? Es impliziert, Sichtweisen und Eigensinn der Kinder und Jugendlichen bei Behandlung wie auch Hilfe systematisch in Diagnose, Hilfeplanung und ihrer Umsetzung einzubeziehen. Ferner erfordert Kooperation eine Differenzakzeptanz der jeweiligen professionellen Ansätze der sozialen Dienste mit ihren jeweiligen wissenschaftlichen Referenzbezügen. Dabei ist zu bedenken: Die angesprochenen Eckpunkte für eine gelingende Kooperation sind nur schwer stabil zu halten, zumal »von Hause aus« Kinder- und Jugendhilfe, im Sozialwesen verankert, auf Ressourcenstärkung ausgerichtet ist und Kinder- und Jugendpsychiatrie, im Gesundheitssystem verankert, auf die Überwindung einer psychischen Störung (Fegert/Besier 2010). Von besonderer Bedeutung ist daher Vertrauen als ein kooperationsfördernder Wert. Keinesfalls konfliktfrei und unproblematisch aufzubauen, bildet es eine wichtige Grundlage in sozialen Austauschprozessen, in der Familie, in beruflichen wie auch gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen (Wagenblass 2004, S. 51; Santen/Seckinger 2011, S. 390). Mit der zunehmenden Zerfaserung traditioneller Formen des Zusammenlebens, mit wachsenden gesellschaftlichen Ungewissheiten bei gleichzeitig gestiegenen gesellschaftlichen Erwartungen an persönliche Eigenverantwortung sind Vertrauensbeziehungen im sozialen Nahfeld jedoch immer brüchiger geworden. Umso notwendiger ist Vertrauen als Grundgegebenheit in den sozialen Diensten und in der interorganisationellen Kooperation der Dienste.