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Traumapädagogisch diagnostisches Verstehen

Ausblick Natürlich stellt sich die Frage, ob Sozialpädagog*innen das überhaupt leisten können. Wie kommen sie mit dem beschriebenen Spannungsfeld von Komplexität und Reduktion zurecht? »Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sind keine Forscher, und nur in den seltensten Fällen wird die Aussicht bestehen, dass ihnen professionell ausgebildete Diagnose-Experten zur Seite stehen« (Mollenhauer/Uhlendorf 1992, S. 133). Der Gesamtdurchlauf lässt sich jedoch sehr kreativ abwandeln und den jeweiligen Umständen entsprechend abgekürzt gestalten. Das Vorgehen erweist sich zudem als optimale Unterstützung für die Hilfeplanung und erlaubt einen flexiblen Umgang mit verschiedensten diagnostischen Instrumenten. Zudem können weitere traumaspezifische Messinstrumente zu den verschiedensten Fragestellungen wie Dissoziationsneigung, Suizid- und Krisengefährdung, organisierte Gewalt etc. ergänzt werden (dazu ausführlich Goldbeck/ Stieglitz 2009) immer natürlich unter der Berücksichtigung, dass die Dimension des Verstehens dabei nicht in den Hintergrund geraten darf. Noch bedeutsamer aber ist die Tatsache, dass zahlreiche Einrichtungen längst mit vielen dieser Methoden ihren Betreuungsalltag gestalten; jedoch »verwerten« sie diese Investition in der Hilfeplanung selten gezielt und strukturiert. Statt einer häufig in der Praxis rein »intuitiven« oder routiniert formale Kategorien abfragenden Diagnosestellung kann im optimalen Fall auf diese Weise eine systematische, Subjekt und Kontext berücksichtigende »psychosoziale Diagnose« und Interventionsplanung gewonnen werden. Für die Sorgfalt der Interventionsplanung lohnt sich dies auf jeden Fall. Vor allem aber ist es unabdingbar in einer Zeit, in der Diagnosen Grundlage für weitere Hilfestellung, Gerichtsverfahren und Aufenthalte sind, die traumapädagogische Diagnostik neben ihrer Handlungswirksamkeit dem primären Ziel unterzuordnen: nämlich dem Selbstverstehen und Verstehen im Interesse der Selbstbemächtigung.

Literatur Ader, S./Schrapper, C. (Hrsg.) (2022): Sozialpädagogische Diagnostik und Fallverstehen in der Jugendhilfe.2., überarbeitete Auflage. München/Basel: Ernst Reinhardt Andreae de Hair, I./Basedow, A./Gies, H./Haller, K./Köllner, R./Naumann-Schneider, B./Spelleken-Scheffers, A./Spätling, R./Weihrauch, J. (Hrsg.) (2022): Traumapädagogisch diagnostisches Verstehen. Standards und Werkbuch für Spurensuche und Fährtenlesen. Weinheim und Basel: Beltz Juventa. Buchheim, A./Strauß, B. (2002): Interviewmethoden der klinischen Bindungsforschung. In: Strauß, B./Buchheim, A./Kächele, H. (Hrsg.): Klinische Bindungsforschung. Theorien, Methoden, Ergebnisse. Stuttgart: Schattauer, S. 2753.