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»Pioniere« Psychoanalytischer Pädagogik in der psychoanalytischen Bewegung
Pädagogik erfährt ihre Grenze durch das Spannungsfeld zwischen der historisch-sozialökonomischen Verfasstheit der Gesellschaft, der Struktur und Dynamik ihrer Institutionen, den Gruppen, den Intentionen der Pädagog*innen und
der Selbsttätigkeit ihrer Adressat*innen (Dörr/Müller 2019, S. 19). Mit dieser theoretischen Prämisse woll(t)en psychoanalytisch orientierte Professionelle einer
vereinseitigenden Konzeptualisierung individualpsychologischer und gesellschaftstheoretischer Perspektiven auf menschliches Leid entgehen.
Im Weiteren werde ich in gebotener Kürze die Entwicklung der aktuellen Psychoanalytischen Pädagogik nachzeichnen, die in einer psychoanalytischen Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Ausgang nahm.
»Pioniere« Psychoanalytischer Pädagogik in der
psychoanalytischen Bewegung
Obgleich Freud sich nie als Pädagoge verstanden hat, war er davon überzeugt, dass
die psychoanalytischen Erkenntnisse von außerordentlicher Relevanz für die Pä­
dagogik seien. In den »Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie« (1905) führt er die
Unfähigkeit der Erzieher*innen, sich in das kindliche Seelenleben einzufühlen
(um ihm psychisches Leid zu ersparen), auf die Verdrängung der eigenen Kindheitserfahrungen zurück und konstatiert einige Jahre später (1925) z. B. im Geleitwort zu August Aichhorns »Verwahrloste Jugend« (1925), dass der wesentliche
Beitrag der Psychoanalyse in der Aufklärung der Erzieher*innen liege, wodurch
Chancen zur Umgestaltung der Erziehungspraxis eröffnet werden: Die Erziehungsarbeit sei »etwas sui generis […] das nicht mit psychoanalytischer Beeinflussung verwechselt und nicht durch sie ersetzt werden kann. Die Psychoanalyse des
Kindes kann von der Erziehung als Hilfsmittel herangezogen werden. Aber sie ist
nicht dazu geeignet, an ihre Stelle zu treten« (Freud 1925, S. 5).
Eine entschiedene Verbindung von Psychoanalyse und Pädagogik formulierte
Sándor Ferençzi 1908 auf dem ersten Kongress der sich gerade erst organisierenden psychoanalytischen Bewegung. In seinem Vortrag der zu seiner Zeit auf Unverständnis stieß betonte der ungarische Neurologe und Psychoanalytiker
(18731933) vehement die wichtige Rolle realer traumatischer Kindheitserfahrungen in der Ätiologie von psychischen Störungen und nahm in weiteren Arbeiten viele spätere Erkenntnisse der Traumaforschung vorweg (Hirsch 2011, S. 38).
Er beschrieb nicht nur die wirkmächtigen zerstörenden Mechanismen einer nicht
assimilierten »Introjektion des Schuldgefühls des Erwachsenen« (Ferençzi 1932,
S. 519) als überlebenswichtige psychische Notfallreaktion des Kindes, sondern ergründete auch die Mechanismen der Leere des »Lebendig-Tot-Seins« (Bohleber
2012, S. 90); »das Enactment […]; die Spaltung des Ichs in eine beobachtende Instanz und in einen preisgegebenen Körper; die Lähmung der Affekte« (Bohleber
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