2026-001/documents/theory/diagnostics/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/379.md

1.6 KiB
Raw Blame History

schaut diese Dame aus ihrem Fenster und sie schimpft hinter den Jungen her.« Dieses erste Beispiel ist typisch für den »elaborierten« Sprachcode. Die Sprache enthält eine universelle Orientierung, ist situations-unspezifisch, verwendet explizite Bedeutungen (auch ohne Kenntnis der Situation verständlich), komplexere grammatikalische Strukturen, einen komplizierten Satzbau, Nebensätze, dagegen kaum Konjunktionen, aber viele erklärende Substantive, die den Erzählfluss strukturieren. Wie »elaboriert« dieses Sprachverwendung zeigt das Beispiel für den »restringierten« Sprachcode.

»Sie spielen Fußball und er schießt ihn und er fliegt rein dort zertrümmert er die Scheibe und sie schauen zu und er kommt raus und schimpft mit ihnen weil sie sie zerbrochen haben deshalb rennen sie weg und dann sieht sie raus und sie schimpft hinter ihnen her.« Dieses zweite Beispiel zeigt die nach Bernstein typischen Einschränkungen (Restriktionen) im Sprachgebrauch. Eine partikulare Orientierung, das situationsspezifische Erzählen, das auf implizite Bedeutungen setzt (die nur aus der Situation heraus verständlich sind), es werden einfachere grammatikalische Strukturen verwendet, einfache und unvollständige Sätze, Nebensätze werden selten verwendet, dafür viele Konjunktionen und Pronomen statt Substantive. Obwohl die Soziolinguistik in der Zeit nach Bernstein sozial bedingte Sprachcodes differenzierter unterscheidet (Trudgill 2000; Veith 2005), ist die Grundüberlegung ungebrochen aktuell. Wenn Menschen einen unterschiedlichen Sprachgebrauch bewerten, fällt sofort