2026-001/documents/theory/diagnostics/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/328.md

1.8 KiB

Eine solche Biografie wurde bis in die 1980er Jahre hinein, in Deutschland bezogen auf die alten Bundesländer, als »natürlich« erachtet. Menschen, die von ihr abwichen, galten eher als randständig. Das galt besonders für kinderlose Frauen, die keine Familie gründen wollten oder konnten, und für nicht berufstätige Männer. Die NormalBiografie schloss Angehörige aller gesellschaftlichen Schichten ein, aber sie kannte deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Da Frauen als Müttern die Verantwortung für die Erziehung der Kinder zukam, war für sie während der Lebensphase des Erwachsenenalters keine Berufstätigkeit vorgesehen. Diese war vielmehr den Männern vorbehalten, die zugleich die »Brotverdiener« der gesamten Familie sein sollten (Sackmann 2013). Das allmähliche Aufbrechen der Normal-Biografie

Alle diese Regelungen und die dahinterstehenden Konzepte einer »normalen« Lebensführung wirken bis heute nach und sind teilweise noch unverändert in Kraft, obwohl schon in den 1980er Jahren deutlich wurde, dass sich der dreiteilige Lebenslauf umgestaltete. Der Grund dafür sind tiefgreifende Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, die neuartige Anforderungen an die Rhythmisierung des Lebenslaufs mit sich bringen (Faltermaier 2008):

  1. Die Berufsanforderungen und Arbeitsbedingungen haben sich so gewandelt, dass sie eine immer anspruchsvollere und längere, hochqualifizierende Ausbildung voraussetzen. Das gilt für wirtschaftliche Wachstums- und Krisenzeiten gleichermaßen. Durch beides wächst ein enormer Druck auf die Arbeitsmarktintegration junger Menschen. Rationalisierungs- und Automatisierungsprozesse sowie die weltweite Verzahnung der Volkswirtschaften bedingen, dass die Zahl der Arbeitsplätze nicht beliebig