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Raw Blame History

lebte und lehrte) Norbert Elias (18971990). Sein Hauptwerk über den »Prozess der Zivilisation« (1997) betont ebenso wie eine andere seiner berühmten Arbeiten über die »Gesellschaft der Individuen« (1987) eine historische Sichtweise, die den Blick auf Handlungen und gesellschaftliche Strukturen verbindet. Sie zeigt, welche Freiheitsgrade und Restriktionen, Belohnungen und Kosten durch den Weg aus den eng geknüpften vorstaatlichen Geburtsverbänden in die modernen, differenzierten und pluralistischen Staatsgesellschaften entstanden sind. Vor allem die individuellen Gestaltungschancen sind im historischen Vergleich gestiegen. Alle Menschen haben die Möglichkeit zu einem hohen Maß an Individualität. Individualität versteht Elias dabei als die »Gestaltqualität der Selbststeuerung in Beziehung zu anderen Menschen und Dingen« (Elias 1987, S. 87). Diese Denkrichtung der erhöhten Freiheitspielräume ist ein wichtiges Merkmal auch jüngerer soziologischer Ansätze in der Sozialisationsforschung. Der »Behauptung« der Identität wird große Aufmerksamkeit geschenkt. Nach der Theorie von Elias können heutige Gesellschaftsmitglieder nicht nur, sie müssen vielmehr in einem höheren Maße selbstständig werden, um mit den gesteigerten Wahlmöglichkeiten zurechtzukommen. Die Möglichkeit und die Notwendigkeit der größeren »Individualitätsentwicklung« ist eine gesellschaftliche Anforderung, die jenseits der Kontrolle des Einzelnen liegt. Die gesellschaftliche Entwicklung öffnet die Möglichkeit zu einem Mehr an persönlicher Entfaltung, auch unabhängig von der sozialen Herkunft, und erschließt damit neue Formen der Befriedigung und Erfüllung des Lebens. Zugleich aber bringt sie notwendig auch neuartigen sozialen Stress, neue Risiken des Leidens, des Unbehagens und der Ungewissheit mit sich. Jüngere Ansätze innerhalb der Sozialisationstheorien, die mit dem MpR noch vorstellt werden, nehmen diese Motivik verstärkt auf.