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Die Pädagogik des sicheren Ortes

Entstehungshintergrund Vor fast zwanzig Jahren postulierte Martin Kühn 2006 im Rahmen einer Fachtagung zum Thema (Akut) traumatisierte Kinder und Jugendliche in Pädagogik und Jugendhilfe die Notwendigkeit einer Pädagogik des sicheren Ortes im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe. In seinem Vortrag Bausteine einer Pädagogik des sicheren Ortes skizzierte er Rahmenbedingungen für den professionellen Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen. Mit seinem Modell reagierte er auf ein allen Professionellen bekanntes Problem, das er als »Reaktionskette in der Eskalation von Hilfen« (S. 2) bezeichnete. Es ging ihm um junge Menschen, »die keine sozial anerkannten Bewältigungsstrategien für hochgradig belastende biographische Gewalterfahrungen machen konnten« (ebd.). Kühn beschrieb einen Prozess, an dessen Ende der Abbruch einer Hilfemaßnahme steht, da der junge Mensch vermeintlich nicht in die angebotene Hilfestrukur hineinpasst. »Letztlich ist für die Frage, ob ein Kind nach einer Eskalation auf einer Wohngruppe verbleiben und gehalten werden kann, nicht das Problemverhalten, sondern die Tragfähigkeit des pädagogischen Teams entscheidend« (Schmid 2017, S. 22). Galt es anfänglich unter dem Aspekt der äußeren, eher räumlichen Sicherheit, selbst- und fremdgefährdendem Verhalten entgegenzuwirken, erweiterte sich das Konzept zügig um die Perspektive der individuellen, inneren Sicherheit aller am Hilfeprozess Beteiligten (Kühn 2023a, S. 304). Äußere wie auch innere Sicherheitsaspekte sind in ihrer Herstellung abhängig von der Kommunikation und können, bezogen auf das Individuum, grundsätzlich nur auf einer wertschätzend partizipativen und dialogischen Ebene miteinander erarbeitet werden. Über die Jahre erfuhr das Konzept praktische und methodische Füllung nicht zuletzt, weil sich mit Gründung des Fachverbands Traumapädagogik e. V. (ehemals BAG Traumapädagogik) im Jahr 2008 Professionelle aus unterschiedlichen pädagogischen und therapeutischen Handlungsfeldern vernetzten und mit den Inhalten der Kernkonzepte auseinandersetzten. In der Praxis übertrugen sie sie auf ihre Arbeitsbereiche, implementierten sie in den pädagogischen Alltag und regten Forschung an. Es entstand ein Netzwerk, in dem über die Arbeit in Arbeitsgruppen und die Veranstaltung von Fachtagen Traumapädagogik und somit auch die Pädagogik des sicheren Ortes kontinuierlich weiterentwickelt wurde und wird. Das Konzept ist heute Gegenstand der Lehre in der zertifizierten Weiterbildungsreihe zumzur Traumapädagogin sowie Inhalt in den Masterstudiengängen der Traumapädagogik. Wie in der Traumapädagogik allgemein bilden Wissensbestände aus unterschiedlichen Fachgebieten und -richtungen auch das Fundament dieses Konzepts. Neben Erkenntnissen aus der Psychotraumatologie, dem Wissen um Trigger, Dissoziationen oder Flashbacks fließen Erfahrungen aus Heilpädagogik, Behinder-