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Reformerische und emanzipatorische Pädagogik
Wissen, die zur persönlichen Autonomie beitragen soll (Freire 2002). »Wissen hatte [und hat, Anm. der Verfasserinnen] die Funktion, Anmaßungen zurückweisen zu können, Hindernisse und Hemmnisse für das Verstehen abzubauen, den Freiraum für eine immer einmalige und konkrete Verständigung zwischen Erzieher und Kind zu erhalten« (Struck 2014, S. 578). Emanzipatorische Traumaarbeit stellt Wissen zum Verstehen individueller und gesellschaftlicher Zusammenhänge zur Verfügung.
Pädagogik ist immer auch politisch, Traumaheilung immer auch emanzipatorisch Reformpädagogik und emanzipatorische Pädagogen als Gesellschaftskritiker Vordenker der reformpädagogischen Zeit – wie Pestalozzi (1801/2006), Wichern (1964) u. a. – legten mit ihrer gesellschaftskritischen Haltung den Grundstein für die emanzipatorische Pädagogik des 20. Jahrhunderts. Johann Heinrich Pestalozzi nahm die Kritik der gesellschaftlichen Realität als Ausgangspunkt für die Begründung pädagogischer Interventionen. Kinder sollten über ihren gesellschaftlichen Stand, ihre Armut und ihre Möglichkeiten, das bestmögliche aus ihrer Situation zu machen, aufgeklärt werden. Pestalozzis Ziel war es, das Kind aus sich selbst heraus zu befähigen und seine ›Verwahrlosung‹ zu überwinden. Während reformpädagogische Bestrebungen und teilweise auch emanzipatorische Pädagogik systemimmanent waren, strebte die marxistische Pädagogik die Überwindung der bestehenden Gesellschaft an. Der Psychoanalytiker Siegfried Bernfeld formulierte die lange allgemein anerkannte Einsicht, dass der Erfolg von Bildung und Erziehung nicht allein von der Erziehbarkeit der Kinder abhängt, sondern maßgeblich von den materiellen Voraussetzungen sowie der historischen Verfassung des Bildungswesens, sozusagen eine antikapitalistische Kritik der Reformpädagogik (Bernfeld 1925). Vor dem Hintergrund der politisch und wirtschaftlich sehr schwierigen Situation der Menschen in der Weimarer Republik, insbesondere der Kinder aus dem Arbeitermilieu, entwickelten marxistische Theoretikerinnen und Pädagoginnen, ausgehend von den Fragen der Abschaffung der gesellschaftlichen Klassenverhältnisse und der doppelten Unterdrückung durch repressive Strukturen innerhalb proletarischer Familien, Ansätze einer Erziehung zum Klassenkampf. Schon aus dieser Zeit sind Heimrevolten bekannt. Wie in allen Bereichen müssen auch die Pädagogik und ihre Wege stets kritisch hinterfragt werden. Eine Auseinandersetzung mit Reformpädagog*innen wie beispielsweise Nohl und Montessori, die sich zeitweise mit den faschistischen Systemen in Deutschland und Italien assoziierten und z. T. in ihrer Idealisierungsmetaphorik für missbräuchliche Zwecke funktionalisiert worden sind, finden wir bei