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| diagnosis-theorie-1 | markdown | Theorie 1 | Wähle einen Wissensbestand/Theorie als «Scheinwerfer» für die Fallthematik. Grundsätzlich kommen Theorien der Sozialen Arbeit und aller Nachbardisziplinen in Frage (Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Psychiatrie, Recht). Begründe die Wahl nachvollziehbar und erarbeite theoriegeleitete Fallüberlegungen, die konkret auf den Fall bezogen sind. | 📚 Wahl geeigneter Wissensbestände für theoriegeleitete Erklärung |
Meine erste theoretische Grundlage bildet Wolf Ritscher. Seine systemische Perspektive hilft mir, Lenys Fallthematik im Zusammenhang mit zuhause, Schule, Wohngruppe und ihren Übergängen zu verstehen (Ritscher, 2022). Er versteht Menschen und ihre sozialen Umwelten als miteinander verbundene Ökosysteme. Lebensfähigkeit hängt von einem tragfähigen Ausgleich zwischen System und Umwelt ab (Ritscher, 2022, S. 34). Die Übergänge zwischen seinem Zuhause und dem Praxisbetrieb werden für das Fallverstehen bedeutsamer. Lenys Bedürfnis nach Ruhe und Erholung sowie der Wunsch nach einem Einzelzimmer können damit zu tun haben. Dieses mitteilen zu können, zeigt sich in diesem Zusammenhang als eine Ressource von ihm.
Loyalität entsteht im Wechselspiel von Geben und Nehmen, Verpflichtung und Verdienst. Loyalität kann Zugehörigkeit und Zusammenhalt geben, Ablösung aber auch erschweren, wenn Kinder sich stark für das Wohlergehen ihrer Eltern oder ihres Familiensystems verantwortlich fühlen (Ritscher, 2022, Kap. 4.3.3, S. 261–262). In der Fallthematik stehen Lenys Sorgen um die Mutter und die Geschwister im Vordergrund. Seine emotionale Belastung zeigt sich weniger als klassisches Vermissen, sondern stärker im Zusammenhang mit familiären Sorgen, Konflikten, Übergängen und fehlendem Schutz.
Im Verlauf dieses Prozesses kam es zu einem Wutanfall, nachdem Leny nach einem belasteten Wochenende wiederholt nach Hause wollte und die Vereinbarung, bis zum Wochenende im Heim zu bleiben, für ihn nicht aushaltbar war. Dabei äusserte er ausdrücklich, dass er nach Hause wolle, um die Familie zu schützen. Sein starkes Verantwortungsgefühl, seine Familie schützen zu müssen, kann Ausdruck der beschriebenen Loyalität sein.
Ressourcen werden als psychische, materielle und sozialkommunikative Quellen beschrieben, auf die bei der Bewältigung von Handlungsanforderungen zurückgegriffen werden kann. Coping-Strategien ermöglichen persönliche, kommunikative und praktische Formen der Bewältigung. Solange sich im Herkunftssystem nichts Wesentliches verändert, kann ein Verhalten für das System weiterhin sinnvoll bleiben und nicht einfach aufgegeben werden (Ritscher, 2022, Kap. 5.2.6, S. 306–307). Im Herkunftssystem können Lenys Bewältigungsstrategien weiterhin eine stabilisierende Funktion haben, damit er handlungsfähig bleibt. In ruhigeren und klareren Situationen zeigt Leny eher Ressourcen, besonders bei konkreten Tätigkeiten im kreativen Bereich oder bei Bewegungsabläufen. Im Praxisalltag sind dieselben Strategien eher behindernd, etwa dort, wo er mit mehreren Aufgaben zu tun hat, um ihn herum viel los ist oder er gefordert ist zu lernen.