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Theorien und Konzepte zur Füllung des KPG-Modells

Dieses Dokument bietet eine Übersicht über Theorien und handlungsleitende Konzepte, die genutzt werden können, um das Modell der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG) inhaltlich zu füllen. Diese Wissensbestände sind essentiell für das "Theoriegeleitete Fallverstehen" im Diagnoseschritt sowie für die Planung und Durchführung von Interventionen.

Quelle:


1. Theorieauswahl für die Diagnose

Diese Theorien eignen sich besonders für den Schritt der Diagnose, um Hypothesen zu bilden und Fallthematiken zu erklären.

Kommunikation

  • Watzlawick: Die 5 Axiome der Kommunikation.
  • Schulz von Thun: Das 4-Ohren-Modell (Nachrichtenquadrat).
  • Carl Rogers: Aktives Zuhören.

Beziehungsgestaltung

  • Giesecke: Pädagogisches Handeln.
  • Trabandt, Wagner: Bildung.
  • Erziehung: Erziehungsstile und Erziehungskonzepte.

Menschen und ihre Entwicklung

  • Entwicklungstheorien: Diverse Ansätze zur menschlichen Entwicklung.
  • Bindungstheorien: Z.B. Bowlby, Ainsworth.
  • Wahrnehmung: Theorien zur menschlichen Wahrnehmung.
  • Sozialraum: Theorien zur Aneignung und Nutzung von Räumen.
  • Lerntheorien: Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus.
  • Bandura: Selbstwirksamkeitserwartung (Social Cognitive Theory).

Gruppen, Gruppendynamik, Team

  • Raumdynamik: Wechselwirkung zwischen Raum und Gruppe.
  • Rollentheorie: Soziale Rollen in Gruppen.
  • Gruppenphasenmodell: Z.B. Tuckman (Forming, Storming, Norming, Performing).
  • Gruppendynamik: Prozesse und Strukturen in Gruppen.

Medizin

  • Krankheitsbilder: Somatische Erkrankungen.
  • Störungsbilder: Psychische Störungen (ICD/DSM).
  • Behinderungsbilder: Z.B. Autismus-Spektrum-Störung (ASS), ADHS.

Recht

  • Drogenmissbrauch: Betäubungsmittelgesetzgebung.
  • UN-BRK: UN-Behindertenrechtskonvention.
  • Strafgesetze: Relevante Bestimmungen des StGB.
  • Integrationsthemen: Ausländer- und Integrationsrecht.

Weitere mögliche Ansätze und Theorien

  • Lazarus/Folkman: Kognitiv-transaktionale Stresstheorie.
  • Fröhlich-Gildhoff: Bio-psycho-soziales Modell (Erklärmodell).
  • Resilienz: Konzepte nach Fröhlich-Gildhoff oder Welter-Enderlin.
  • Abweichendes Verhalten:
    • Subkulturelle Dynamiken.
    • Etikettierungsansatz (Labeling Approach).
    • Stigma-Theorie (Goffman).
    • Bedeutung von Peers.

2. Handlungsleitende Konzepte

Handlungsleitende Konzepte bieten Orientierung für das professionelle Handeln. Sie können im KPG an unterschiedlichen Stellen genutzt werden.

Einsatzbereiche

  • Handlung: Besonders wertvoll im Zusammenhang mit Zielsetzung, Interventionsplanung und Interventionsdurchführung.
  • Haltung: Als grundsätzliche übergeordnete Haltung in allen Schritten (Situationserfassung, Analyse, Diagnose).
  • Strukturierung: Als Strukturierungshilfe, z.B. in der Situationserfassung oder Analyse (in Kombination mit einer Ressourcen-Problemanalyse).

Beispiele

  • Systemtheoretische Ansätze: Fokus auf Systeme und deren Wechselwirkungen.
  • Funktionale Gesundheit: Orientierung an der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health).
  • Konstruktivismus: Realität als individuelle Konstruktion.
  • Lebensweltorientierung: Nach Thiersch (Alltagsnähe, Dezentralisierung etc.).
  • Sozialraumorientierung: Fokus auf den Willen des Adressaten und die Ressourcen im Sozialraum.
  • Lösungsorientierter Ansatz: Fokus auf Lösungen statt Probleme (de Shazer/Berg).
  • Personzentrierter Ansatz: Nach Carl Rogers (Empathie, Wertschätzung, Kongruenz).