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Evidence: Schritt in die Unabhängigkeit – Ein Fall in der Ablösung vom Sozialdienst
Source document: praxis
Reference 1
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: Schritt in die Unabhängigkeit Ein Fall in der Ablösung vom Sozialdienst
- Pages: 233
- Lines: 3323–3323
- Quote: "Der vorliegende Artikel greift einen Fall aus der gesetzlichen Sozialhilfe auf, in welchem der Ablösungsprozess eines Klienten vom Sozialdienst thematisiert wird. Die Autorin setzt den Fokus bei der Fallbearbeitung auf die Prozessschritte der Analyse und der Interventionsdurchführung; auf die Prozessschritte der Zielsetzung und Interventionsplanung wird nur kurz eingegangen."
Reference 2
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: 1 Organisationaler Kontext
- Pages: 234
- Lines: 3333–3333
- Quote: "Auf dem Sozialdienst B. gibt es viele Checklisten für administrative Abläufe. Es fällt jedoch auf, dass keine definierten Leitlinien und Konzepte zur inhaltlichen Arbeit mit der Klientel sowie mit anderen Fachpersonen und Dritten vorhanden sind."
Reference 3
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: 2.1 Prozessschritt Situationserfassung
- Pages: 235
- Lines: 3345–3345
- Quote: "Herr K. erzählte, er habe in seiner Jugendzeit grosse Auseinandersetzungen mit seiner Mutter gehabt. Der Vater wohne aktuell in Kambodscha und seine Mutter sei vor etwa zwei Monaten nach Italien abgereist, da sie Probleme mit ihrem Ex-Partner und auch sonstige Probleme habe. Herr K. und seine Schwester wüssten nicht, wo sich die Mutter momentan genau aufhalte. Auch habe er keine Kenntnis darüber, wo sich die Mutter zuvor in der Schweiz aufgehalten hat."
Reference 4
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: Weiterer Verlauf:
- Pages: 236
- Lines: 3355–3355
- Quote: "wahrscheinlich eine Festanstellung erhalten werde. Im November bestätigte Herr K., dass er per Januar die Festanstellung antreten könne. Der Sozialdienst leistet somit eine finanzielle Unterstützung nur noch bis Ende Januar, bis Herr K. seinen ersten Lohn für den Februar erhält. Bis zur Ablösung im Januar sind noch zwei Gesprächstermine im Dezember und Januar vorgesehen."
Reference 5
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: Vorüberlegungen, Planung
- Pages: 236
- Lines: 3367–3367
- Quote: "Im Gespräch soll ein gemeinsames, möglichst offenes Brainstorming zu den einzelnen in der Falldokumentationssoftware festgehaltenen Lebensbereichen ( › Soziales Umfeld ‹ , › Gesundheit ‹ , › Wohnen ‹ , › Arbeit ‹ und › Finanzen ‹ ) stattfinden. Die Lebensbereiche habe ich jeweils auf ein Blatt Papier geschrieben und der Inhalt des Gesprächs wird darauf mit Stichpunkten festgehalten. Durch diese teilstandardisierte Methode wird ein gewisser Rahmen vorgebeben, zugleich soll Herr K."
Reference 6
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: Umsetzung
- Pages: 237
- Lines: 3377–3377
- Quote: "Im Bereich der › Finanzen ‹ stellte Herr K. viele Fragen: Wie gehe ich mit den Einnahmen und Ausgaben um (Budget)? Was sind NichterwerbstätigenBeiträge? Wie funktioniert der Ablauf bei der Krankenkasse? Was ist genau Selbstbehalt und Franchise? Wie können die Schulden abgebaut werden? Wie füllt man eine Steuererklärung aus? Was ist die zweite Säule?"
Reference 7
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: Reflexion
- Pages: 239
- Lines: 3401–3401
- Quote: "Die ausgewählte Methode ist keine im Buch von Hochuli Freund/Stotz (2015) vorgeschlagene Analysemethode. Da auf dem Sozialdienst B. keine entsprechenden Analysemethoden vorhanden sind, habe ich auf Grund des klientenbezogenen Auftrags sowie des institutionellen Kontextes selber eine passende Methode ausgedacht."
Reference 8
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: 2.3 Prozessschritte Zielsetzung und Interventionsplanung
- Pages: 240
- Lines: 3411–3411
- Quote: "Die Schritte der Zielsetzung und der Interventionsplanung werden kurz gehalten und überwiegend nur auf professioneller Ebene durchgeführt. Die Ablösung von der Sozialhilfe von Herrn K. steht nahe bevor (Ende Januar). Ich möchte ihm beim letzten Termin etwas Brauchbares für die Zukunft mitgeben, d. h. mit ihm konkret die Intervention durchführen."
Reference 9
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: Reflexion
- Pages: 241
- Lines: 3428–3428
- Quote: "Ein Teilschritt im Rahmen der Interventionsplanung ist die Reflexion der Interventionsmöglichkeiten (vgl. ebd.:286f.) Es ist schwierig abzuschätzen, was passieren würde, wenn ich gar nichts unternehme. Es könnte alles gut gehen und Herr K. würde sich die fehlenden Informationen selbständig einholen und die allenfalls benötigte Hilfeleistung einfordern. Es könnte aber auch sein, dass er mit der Situation überfordert ist, die Arbeit verliert und wieder Schulden anhäuft."
Reference 10
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Section: 2.4 Prozessschritt Interventionsdurchführung
- Pages: 242
- Lines: 3438–3438
- Quote: "Zu Beginn des Gesprächs erklärte ich Herrn K., in Bezug auf die Unterstützungsziele, was ich für das heutige Treffen geplante habe und holte sein Einverständnis dafür ein. Herr K. hatte wie vereinbart seine bisher zu Hause aufbewahrten Unterlagen mitgenommen und gemeinsam stellten wir einen Ordner zusammen. Wichtige Unterlagen, welche Herr K. nicht bei sich hatte, kopierte ich aus seiner Handakte."
Reference 11
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Chapter: Schritt in die Unabhängigkeit
- Section: 1 Organisationaler Kontext
- Pages: 234
- Lines: 3329–3330
- Quote: "Dementsprechend ist der materielle Auftrag der Sozialhilfe die Existenzsicherung, welche durch die Kantone gesetzlich geregelt wird. Gleichzeitig hat die gesetzliche Sozialhilfe aber auch den Auftrag der Sozialberatung. Die Aufgabe der gesetzlichen Sozialhilfe ist die Förderung der wirtschaftlichen und persönlichen Eigenständigkeit sowie die soziale und berufliche Integration in den ersten Arbeitsmarkt."
Reference 12
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Chapter: Schritt in die Unabhängigkeit
- Section: 2.1 Prozessschritt Situationserfassung
- Pages: 235
- Lines: 3349–3351
- Quote: "Er habe eine Berufsattestlehre als Detailhandelassistent absolviert. Nach seiner Lehre habe er keine Stelle gefunden, seither sei er arbeitslos und auf staatliche finanzielle Unterstützung angewiesen. Während der Sozialhilfeunterstützung im vorigen Kanton habe er verschiedene Arbeitsintegrationsprogramme besucht, jedoch sei ihm der Schritt in den ersten Arbeitsmarkt nie gelungen."
Reference 13
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Chapter: Schritt in die Unabhängigkeit
- Section: Umsetzung
- Pages: 239
- Lines: 3395–3397
- Quote: "»Ein 26-jähriger Mann, welchem nach mehreren Jahren in der Sozialhilfe der Schritt in den ersten Arbeitsmarkt geglückt ist, bei dem jedoch Schwierigkeiten und Unsicherheiten im finanziell-administrativen Bereich vorhanden sind (z. B. Umgang mit einem Budget, Korrespondenz mit Sozialversicherungen)«."
Reference 14
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Chapter: Schritt in die Unabhängigkeit
- Section: Reflexion (Interventionsdurchführung)
- Pages: 242–243
- Lines: 3447–3449
- Quote: "Die Herausforderung bei diesem Prozessschritt stellte sich bei der Dosierung des Unterstützungsgrades dar (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:298f.). Einerseits sollte ich Herrn K. eine Hilfe zur Selbsthilfe bieten und ihn zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung ermächtigen. Andererseits musste ich ihm auf Grund seiner bisherigen Biografie und den zeitlichen Rahmenbedingungen relativ viel vorgeben und erklären, was nach einer Ablösung von der Sozialhilfe auf ihn zukommt."
Reference 15
- Document: Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis
- Chapter: Schritt in die Unabhängigkeit
- Section: 3 Erkenntnisse aus der Fallbearbeitung
- Pages: 244
- Lines: 3459–3461
- Quote: "Ein solch bewusster Abschluss wäre auch ganz allgemein wichtig, um gemeinsam mit der Klientel den Prozess abzuschliessen, sodass danach etwas Neues beginnen kann. Wenn die Professionellen der Sozialen Arbeit besonders auch am Ende eines Unterstützungsprozesses Zeit investieren, wird der schwierige Übergang von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit besser gelingen und womöglich nachhaltiger sein."