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6.5 Der Blick über das Individuum hinaus
Wenn in einem Familiengespräch (schnell) ein Konflikt auf der Eltern-/Paarebene
deutlich wird, ist gleichfalls der Verweis an einen anderen Therapeuten wichtig,
damit die Eltern für sich diese Thematik bearbeiten können.
Techniken
Der Therapeut muss in Bezugspersonen- bzw. Familiengesprächen eine deutlich
aktivere Rolle als im Einzelgespräch einnehmen. Techniken, die zum Teil schulenübergreifend entwickelt wurden, zum Teil aus der systemischen Familientherapie
stammen (vgl. von Schlippe & Schweitzer 2003), helfen die Situation zu gestalten
und auch der nichtsprachlichen Ebene Ausdruck zu verleihen. Oftmals sind Familien(teile) durch Streits und zu viel Reden zermürbt; so kann der Einsatz bzw. das
Anbieten von zusätzlichen Medien entlastend wirken.
Die im Folgenden aufgeführten Techniken einige davon kann man sicherlich
auch der oben dargestellten Grundhaltung zuordnen können in diesem Sinne
hilfreich sein; sie wirken nicht für sich, sondern müssen eingebettet sein in den
therapeutischen Gesamtprozess26:
Kontakt herstellen, »Joining«
»Joining« bedeutet, die Familie wissen zu lassen, dass der Therapeut sie versteht und
mit ihr und für sie arbeiten kann. Dies bedeutet, dass schon zu Beginn jeder Sitzung
zu jedem Familienmitglied ein persönlicher Kontakt hergestellt werden soll.
Wichtig ist ebenfalls, der Sicht jedes Familienmitglieds immer wieder, in jeder
Phase der Therapie, Geltung zu verschaffen (»Technik des Reihum«).
Die Grundregel dabei ist, dass verschiedene Sichtweisen möglich und gewünscht
sind: Die Sichtweise jedes Einzelnen ist wichtig für das Ganze. In diesem Sinne ist es
bedeutsam darauf zu achten, Wünsche und Erwartungen des einzelnen Familienmitgliedes anzusprechen und ihm Gültigkeit zu verschaffen. Besonders wichtig ist es
dabei, dass Jugendliche und Bezugspersonen Unterschiedlichkeiten respektieren
und stehen lassen können.
Ressourcenorientierung
Auf die generelle Bedeutung der Ressourcenorientierung als therapeutischem Wirkfaktor wurde schon hingewiesen (vgl. Kap. 6.3). So sollen auch in der Arbeit mit
Familiensystemen Ressourcen und auch Stärken jedes Familienmitglieds hervorgehoben und deutlich betont werden.
26 Zusätzlich zu den hier aufgeführten Techniken/Methoden wird in der Literatur zur systemischen Therapie oft die Methode der sog. »Paradoxen Intervention« aufgeführt. Diese
Methode ist nicht unumstritten, es gibt eine Reihe von Kontraindikationen (z. B. bei unstrukturierten Familiensystemen) und es liegen keine systematischen Wirksamkeitsnachweise vor. Daher wird auf diese Methode nicht näher eingegangen.
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