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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
ähnlichen Studien festgestellt werden, dass bei etwa 40 % der Jugendlichen im
Alter zwischen zwölf und 17 Jahren die Störung des Sozialverhaltens und die
Störung des Substanzkonsums verbunden auftreten (Scheithauer & Petermann
2004). »Das Vorliegen einer Störung des Sozialverhaltens [stellt] einen signifikanten Risikofaktor für Substanzkonsum dar (…). Hinzu kommt, dass Substanzkonsum das Risiko delinquenten Verhaltens möglicherweise erhöht« (Essau
& Conradt 2004, S. 80). Lösel et al. (2003) kommen in einer eigenen Studie zu
dem Ergebnis, dass die Zusammenhänge differenzierter betrachtet werden müssen: »Von den Jugendlichen, die ausgeprägte Dissozialität oder starken Substanzkonsum berichteten, wurde nur ein Teil in beiden Bereichen auffällig (nach
unserer Einteilung zirka 15 % der Gesamtstichprobe). Jeweils etwa 10 % der
Jungen und Mädchen zeigen dagegen entweder nur beim Substanzkonsum oder
bei der Aggression/Delinquenz Ausprägungen im oberen Viertel der Stichprobe«
(ebd., S. 205). Eine hohe Bedeutung spielt bei dem spezifischen Zusammenhang
zwischen erhöhtem Substanzkonsum und aggressivem bzw. delinquentem Verhalten zum einen die Peer-Group, aber auch negatives Erziehungsverhalten, vor
allem fehlende Beaufsichtigung durch die Eltern (vgl. Essau & Conradt 2004,
ebenso Scheithauer & Petermann 2004).
• Borg-Laufs (1997) führt ältere Studien von Petermann und Petermann (1994)
bzw. Essau und Petermann (1995) an, denen zufolge eine Komorbidität von
Angststörungen mit aggressiven Verhaltensstörungen von 36 bis 62 % besteht. Er
spricht dabei vom Typus der »angstmotivierten Aggression«: »Die Aggression
dient bei solchen Kindern und Erwachsenen häufig dazu, ihre Angst und Unsicherheit zu reduzieren. Durch die Bedrohung und Schwächung der Opfer wird
die eigene Sicherheit erhöht« (ebd., S. 78).
Zeitlicher Verlauf des auffällig-aggressiven Verhaltens bzw. der Störung des
Sozialverhaltens
In diesem Abschnitt wird auf die Langzeitentwicklung des übermäßig aggressiven
Verhaltens bzw. der Störung des Sozialverhaltens eingegangen. Während aggressives
Verhalten in einem bestimmten Ausmaß in verschiedenen Lebensphasen als altersbedingt normal angesehen werden kann (vgl. Fröhlich-Gildhoff 2006b, Kap. 3),
so zeigen übereinstimmend alle vorliegenden Studien, dass eine übermäßig starke
Manifestation von Aggression über den Lebenszeitverlauf stabil ist. Das Ergebnis,
dass diejenigen Kinder, die ein besonders hohes Ausmaß an aggressivem Verhalten
in früherer Kindheit zeigten, dies auch im späteren Lebensalter beibehielten, konnte
immer wieder bestätigt werden (s. a. Krahé 2001).
In ihrer Zusammenstellung verschiedener Studien zum Langzeitverlauf aggressiven Verhaltens kommen Essau & Conradt (2004) folglich zu dem Schluss: »Störungen des Sozialverhaltens weisen eine hohe Stabilität auf. Bei zwischen 32 und
81 % der Kinder, bei denen eine solche Störung festgestellt wurde, konnte die Störung auch zu einem späteren Zeitpunkt diagnostiziert werden (Burke et al. 2003)
(…). Kinder mit einem durchgängig negativen Störungsverlauf haben, wenn sie
älter werden, ein hohes Risiko für Fehlentwicklungen und Probleme in zahlreichen
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