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3.3 Integratives bio-psycho-soziales Modell zur Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten
(vgl. hierzu insgesamt: Egle et al. 1997, Bender & Lösel 1998, Petermann et al. 1998,
2004, Opp & Fingerle 2007, Dornes 2000, Wustmann 2003, 2004, Frick 2003,
Rönnau-Böse 2013).
Generell werden die Schutzfaktoren in drei Gruppen eingeteilt: »1. Eigenarten
des Kindes, die zum Teil angeboren sind, 2. außerfamiliäre Besonderheiten und 3.
Besonderheiten des Familien- und Beziehungsmilieus« (Dornes 2000, S. 105); andere
Autoren differenzieren zwischen 1. individuellen Merkmalen des Kindes (»Personale Faktoren«) sowie 2. sozialen und 3. familialen Faktoren (vgl. Wustmann 2004).
Aus dem Zusammenspiel zwischen risikoerhöhenden und risikomildernden
Faktoren ergibt sich eine Bilanz aus Belastungen und Ressourcen (c Abb. 3.7; vgl.
Petermann et al. 2004):
Ein generell bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten sind seelisch stark belastete bzw. kranke Eltern. Petermann et al. (2002b)
stellen hierzu zusammenfassend fest: »Die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, eine
psychische Störung zu entwickeln ist bei psychisch auffälligen Eltern fünf- bis
sechsmal höher als bei psychisch gesunden Eltern« (ebd., S. 253).
Insgesamt zeigen die vorliegenden Studien, dass »nicht so sehr die Art, als vielmehr die Anzahl respektive das Muster der Risikofaktoren (…) für den Entwicklungsverlauf des Kindes entscheidend [ist]« (Heinrichs et al. 2006a, S. 83).
Es muss von einem komplexen, sich wechselseitig beeinflussenden Bedingungsgefüge von Risiko- und Schutzfaktoren ausgegangen werden. Die allgemein empirisch relativ gut gesicherten Zusammenhänge müssen jedoch im Einzelfall immer
sehr genau betrachtet werden: Die Resilienzforschung (Zusammenfassung u. a. bei
Wustmann 2004, Rönnau-Böse & Fröhlich-Gildhoff 2020) hat eindrücklich gezeigt,
dass auch unter schlechten sozio-ökonomischen Bedingungen immer ein Großteil
der Kinder und Jugendlichen langfristig unauffälliges Verhalten zeigt, weil z. B.
stabile Beziehungen zu einer erwachsenen Person oder ein emotional tragendes
Klima eine positive ausgleichende und seelisch stabilisierende Wirkung haben.
3.3.5
Entwicklungsaufgaben
Eine weitere bedeutsame Variable für die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten
ist die Art der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben.
Das Konzept der Entwicklungsaufgaben wurde zum ersten Mal von Havighurst
1948 in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht und insbesondere in den letzten
Jahren von der klinischen Entwicklungspsychologie (Oerter et al. 1999) und Entwicklungswissenschaft (Petermann et al. 2004) wieder aufgegriffen. Entwicklungsaufgaben sind solche Anforderungen, die sich den Individuen im Laufe der Lebensjahre stellen und die in spezifischer Weise bewältigt bzw. »beantwortet« werden
müssen. Die Entwicklungsaufgaben resultieren aus
• biologischen Faktoren (z. B. Reifungsprozessen)
• gesellschaftlichen Vorgaben, Zielen und Erwartungen (z. B. der Schulpflicht mit
ca. sechs Jahren) und
• individuellen Zielsetzungen
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