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7.1.2.4Kontextualität
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Aus einer medizinisch-psychiatrischen Perspektive lässt sich bei Frau
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L. eine chronifizierte endogene Depression in Verbindung mit einer
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Suchtmittelabhängigkeit diagnostizieren. Die Eskalationen ergeben
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sich aus dieser Perspektive aus einem Zusammenspiel zwischen ihrer
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Depression und ihren chronischen, immer wieder entgleisenden
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Suchtbewältigungsversuchen.
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Aus einer systemischen Perspektive interessiert darüber
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hinausgehend, in welchem Kontext sich die Verhaltensweisen als
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sinnvoll erwiesen und verfestigt haben könnten, welchen Sinn sie
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einstmals hatten und wodurch sie möglicherweise bis heute
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fortdauern.
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Frau L. ist die jüngste von vier Geschwistern. Sie erlebte als
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junges Mädchen mit ihrer Familie die Kriegszeit in Ostpreußen. Bei
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Kriegsende war sie gerade zwölf Jahre alt. Während ihre Schwester
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in ein Arbeitslager nach Sibirien verschleppt wurde, wurde sie Opfer
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einer Vergewaltigung durch russische Soldaten in ihrem Elternhaus.
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Ihre Familie wurde im Nebenzimmer Zeuge dieses schrecklichen
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Ereignisses, ohne ihr helfen zu können. In der Folge war es ihr und
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ihrer Familie nicht möglich, über diese belastenden Erlebnisse
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miteinander zu reden.
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Die Brüder erlebte sie immer als stark und schützend, die
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Schwester war für sie immer die lebenstüchtige, aktive, die bereit
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war, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, und das Beste daraus zu
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machen, und die für sich in Anspruch nahm, das viel schwerere
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Schicksal gehabt zu haben. Ihr gelang es auch nach traumatischen
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Erlebnissen während ihrer Zeit im sibirischen Arbeitslager und der
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Flucht in den Westen, ein großes Maß an Eigenständigkeit und
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existenzieller Sicherheit und schließlich eine eigene Familie
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aufzubauen.
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Der Familie gelang es Anfang der Fünfzigerjahre unter großen
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Mühen und Gefährdungen, gemeinsam in den Westen zu fliehen.
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Frau Lang bezeichnete die Jahre in Ostpreußen trotz allem als die
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