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6.2.3 Allparteilichkeit, Neutralität, Respekt und Interesse
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Die jeweils unterschiedlichen Realitätsrekonstruktionen der einzelnen
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Familienmitglieder erfordern eine allparteiliche Haltung der
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Sozialarbeiterin, die alle Sichtweisen innerhalb der Familie als Teil der
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Probleminduktion und Problemlösung ernst nimmt. Im Sinne des
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Postulates vom gerechten Austausch müssen alle die Chance haben,
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ihre Sichtweise, ihre Erfahrungen, ihre Lösungsvorschläge zu
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thematisieren. Indem die Sozialarbeiterin nacheinander mit jedem
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Mitglied der Familie ein Bündnis schließt, verbündet sie sich
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nacheinander mit jedem und letztlich mit keinem. Das Konzept der
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Allparteilichkeit betont die Parteinahme und Empathie der Beraterin
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für alle Auftraggeberinnen und damit das professionelle Interesse an
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einer gelungenen Beziehung, die jenseits aller notwendigen
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professionellen Distanz auch den Raum für eine interpersonale
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Begegnung eröffnet.
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Das Konzept der Neutralität hingegen verweist gerade auf die
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Notwendigkeit dieser Distanz.3 Neutralität ermöglicht in diesem Sinn
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ein Abrücken von den Auftraggeberinnen und den analysierendemotionsarmen Blick aus der Ferne. Aber gerade der Standort am
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Rand des Beobachtungssystems erweitert das Wahrnehmungsfeld.
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Unsere Aufmerksamkeit richtet sich nun auf bisher unbeachtete
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Muster, verdeckte Konflikte, tabuisierte Themen, eskalationsfördernde
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verbale und körpersprachliche Botschaften. Der ganz einfache, für die
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Bildung sozialer Gruppen und die bezogene Individuation notwendige
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Wunsch nach Wertschätzung durch die anderen kann in
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professionellen Situationen auch ein Hemmschuh sein, wenn man um
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der Harmonie willen die von den Auftraggeberinnen kommunizierten
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Tabus unreflektiert beachtet, Sprechverbote befolgt, Geheimnisse im
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Dunkel belässt, unsoziales Verhalten nicht als solches bezeichnet und
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kritisiert. Je „näher“ wir uns unseren Auftraggeberinnen fühlen, desto
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schwieriger werden solche professionell manchmal notwendigen
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Interventionen. Mit der Distanz wächst dagegen der diesbezügliche
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Handlungsspielraum.
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