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gesetzten Psychodynamik lassen sich auch auf die Trennung durch
Scheidung ausweiten.
Auf ihnen aufbauend, hat Kast ein „Phasenmodell des Trauerns“
entwickelt (Kast 1987), das dem von Kübler-Ross beschriebenen
Prozess der Auseinandersetzung sterbender Menschen mit ihrem
eigen Tod (Kübler-Ross 1982) sehr nahe kommt. Es beginnt mit der
„Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens“, geht in die „der
aufbrechenden (negativen; W. R.) Emotionen“ über, setzt sich in der
„Phase des Suchens und Sichtrennens“ fort und endet als geglückte
Trauerarbeit in der „Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs“ (Kast
1987, S. 57 ff.).
Das der Trennungsphase zuzuordnende Ideal heißt Versöhnung
Versöhnung mit dem Leben, dem Tod und den sozialen anderen.
Erikson spricht in seinem auf die Person bezogenen
Lebenszyklusmodell von der Weisheit des Alters (Erikson 1971); sie
zeigt sich als gelassene, dem bisherigen Beziehungsleben
zugewandte und zugleich das Wohl der nachfolgenden Generationen
bedenkende Haltung. Bei einer aus Entfremdung und Streit
resultierenden Trennung ist dieses Ideal ebenfalls von Bedeutung. Es
verweist auf die Möglichkeit, den Trennungsprozess als
Beziehungsbilanz zu begreifen, die u. a. unter der Frage steht: „Was
kann ich für kommende Beziehungen aus dem Scheitern unserer
Beziehung lernen?“
Die Perspektive der Versöhnung verwandelt die Schuldfrage in das
Bemühen um Verstehen. Vielleicht kann daraus am Ende Verständnis
und Verständigung wachsen. Bei sich trennenden Eltern liegt darin
die Chance, die Kinder nicht als Instrumente im Trennungskampf zu
missbrauchen und trotz Trennung als Paar weiterhin auf der
Elternebene zu kooperieren.
Die Ressourcen für diesen schwierigen und immer wieder infrage
gestellten Prozess findet das Paar durch den versöhnlichen Blick auf
seine gemeinsame Geschichte, vor allem den Blick auf das
gemeinsam Erreichte und die Zeit der ersten Liebe.