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Der Tod selbst erzwingt den endgültigen Abschied aus der
gemeinsamen Beziehung. Als erzwungener Abschied ereignet er
sich in einem Spektrum zwischen seiner durch Krankheit nahe
gelegten Erwartung oder dem plötzlichen Einbruch „aus
heiterem Himmel“. Es ist unmittelbar plausibel, und alle
Forschungen bzw. therapeutischen Erfahrungen bestätigen es,
dass der plötzliche Tod eines geliebten Menschen als ein
Trauma verstanden werden kann. Seine Bewältigung ist
schwieriger als die des erwarteten Todes, an den man sich
schrittweise herantasten kann. Der Umgang mit dem Tod ist,
wie Ariès gezeigt hat, in unserer Gesellschaft durch eine
Tendenz zur Verleugnung und Verdrängung gekennzeichnet
(Ariès 1976). Er rüttelt an dem Selbstverständnis der westlichen
Zivilisation, die den Mythos vom Menschen als allmächtigem
Herrscher und Neuschöpfer der Natur geschaffen hat (Ritscher
1989). In früheren Zeiten war der Tod ein integraler Bestandteil
des Lebenszyklus. Aufgrund der geringeren Lebenserwartung
und der größeren Zahl der Mitglieder einer Familie bzw. des
ganzen Hauses war er ein Ereignis, mit dem man häufiger
direkt konfrontiert wurde als heute. Der Tod fand in der Regel
im Hause statt und war insofern ein Ereignis der haus- bzw.
familieninternen Öffentlichkeit. Durch die Anteilnahme des
sozialen Umfeldes wurde der öffentliche Rahmen noch
erweitert. Die in der Religiosität verankerte Erwartung eines
durch Reue, Buße und gute Werke zu erlangenden Heiles nach
dem Tode machte das Sterben und seine Begleitung durch die
Angehörigen leichter als heute. Das Gleiche gilt hinsichtlich der
für die Zurückgebliebenen selbstverständlichen Rituale der
Trauer und der Reintegration in den sozialen Alltag. Die
vielfältige aktuelle Literatur zu diesem Thema zeigt, dass die
Wiederentdeckung ihrer heilsamen Funktion in vollem Gange ist
(z. B. Kübler-Ross 1982; Albrecht et al. 1995; Güse-Martin
1997). Dadurch entstehen für unsere Kultur passende Formen
des Abschied, in denen der psychische Schmerz akzeptiert ist