2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/236.md

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Das Beziehungsideal dieser Phase heißt bezogene Individuation:
trotz deutlich werdender Unterschiedlichkeit sich als bewusst gewollte
Beziehungseinheit zu finden und eine entsprechende, den
Zusammenhalt sichernde Paaridentität auszubilden. Identität
beinhaltet die Selbst- und Fremdzuschreibung von Merkmalen, die
diese
Beziehung
gegenüber
allen
anderen
Beziehungen
unverwechselbar machen und ein „Wir-Gefühl“ erzeugen, welches das
Gemeinsame gegenüber dem Trennenden betont.
Die zweite Phase ist durch eine zunehmende innere
Differenzierung der Beziehung gekennzeichnet. Sie ist weniger
spektakulär als die erste; in ihr steht der beginnende
Beziehungsalltag im Vordergrund. Es muss ein gerechter Ausgleich
hinsichtlich der unterschiedlichen Beiträge zum Erhalt und Wachstum
der Beziehung gefunden werden. Dabei kann es um die scheinbar
ganz banalen Themen der Alltagsbewältigung gehen: Wer wäscht ab,
wer kocht, wer fährt das Auto; wird Kleidung gemeinsam gekauft,
und wer sucht sie aus, wo soll welches Bild hängen usw.? Aber auch
schwierigere Themen stehen auf der Tagesordnung: Wie viel Geld
steuert jede(r) zum Haushaltsbudget bei, wie verbringt man
gemeinsame Abende, wenn das prickelnde Gefühl der „Erstmaligkeit“
nachlässt, wie antwortet man auf bislang unbeachtete
Verhaltensweisen der Partnerin?
Die Aufgaben der zweiten Phase lassen sich auch im Rahmen
eines rollentheoretischen Konzeptes beschreiben. Es geht um die
Ausbildung neuer formeller und informeller Rollen, die eine Zunahme
an innerer Differenzierung und Komplexität des Paarsystems
ermöglichen. Sie wurden z. T. schon in der eigenen Herkunftsfamilie
oder anderen sozialisierenden Systemen gelernt und müssen nun für
die neue Lebenslage „umgeschrieben“ werden. Andere vor allem
informelle Rollen müssen neu erworben werden, z.B. im Rahmen
der familiären Arbeitsteilung. Hier entstehen Fragen wie: „Wer ist für
den Haushalt bzw. für welche Haushaltsbereiche zu welcher Zeit
zuständig?“, „Wer übernimmt wann die Initiative für welche