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Botschaften auseinander zu setzen und sie bei der Gründung
einer eigenen Familie an die neue Konstellation anzupassen.
Dabei müssen sich widersprechende Beziehungsbilder aus
beiden Herkunftsfamilien miteinander in Einklang gebracht
werden, alte Loyalitäten trotz neuer Loyalitätsbindungen
erhalten bleiben und ein neues Beziehungsgeflecht geschaffen
werden, das die Herkunftsfamilien achtet, aber auch
Entwicklungen über sie hinaus zulässt (siehe Reich 1991).
Die Idee einer die Generationen verbindenden und bindenden
Kette der Traditions- und Verantwortungsübermittlung ist Teil
der jüdisch-christlichen Kultur. In 2. Moses 34, 7 lesen wir:
„Der da bewahret Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat,
Übertretung und Sünde, und vor welchem niemand unschuldig
ist; der die Missetat der Väter heimsucht auf Kinder und
Kindeskinder bis ins dritte und vierte Glied.“
Wir, die Kinder der Aufklärung, haben dem biblischen Gott seine
Macht abgesprochen und uns selbst zum verantwortlichen Zentrum
unseres Schicksals erklärt. Aus dem Schicksal wurde der selbst
gewählte Lebensentwurf des Menschen der individualisierenden
(Post-)Moderne. Das macht es uns schwer, mehrgenerationale
Zusammenhänge und unsere Einbettung in größere soziale Systeme
zu akzeptieren. Durch Sozialisation und Enkulturation sind wir mit den
Handlungen und Erfahrungen früherer Generationen verbunden.
Andererseits sind wir über die Ausübung der dabei gelernten Rollen
Teilnehmerinnen und Teilgeberinnen in den aktuellen sozialen
Systemen und dadurch mit den Mitspielerinnen auch ohne direkten
Kontakt verbunden. Durch diese Einbindung in Kontexte, die
jenseits der gerade wahrnehmbaren und benennbaren aktuellen
Ereignisse und Handlungssituationen liegen, entsteht eine persönliche
Verantwortung für Handlungsschleifen, von denen einzelne Teile auch
ohne unser direktes Zutun entstanden sind.
Für die soziologische Theorie der Generationen sind Mannheims
Begriffe „Generationslagerung“, „Generationszusammenhang“ und