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2.4.4.1.2 Sozialer Raum
Die Kategorie des sozialen Raumes bringt die räumliche Dimension
eines Systems und seiner Kontexte ins Spiel.
Die sozialen Umwelten sind für den Menschen als
dreidimensionale Räume wahrnehmbar. Dass diese Perspektive wie
beim klassischen Konzept von Zeit als einem gleichförmigen Fluss
von A nach B nur bedingte Gültigkeit hat, zeigt Einsteins
„allgemeine Relativitätstheorie“:
„Die allgemeine Relativitätstheorie schafft die klassischen
Begriffe von Raum und Zeit als absolute und unabhängige
Einheiten völlig ab. Nicht nur alle Messungen von Raum und Zeit
sind relativ und vom Bewegungszustand des Beobachters
abhängig, sondern die ganze Struktur der Raum-Zeit hängt
unauflöslich mit der Verteilung der Materie zusammen. Der
Raum ist verschieden stark gekrümmt, und die Zeit fließt an den
verschiedenen Orten des Universums mit verschiedener
Geschwindigkeit. Unsere Begriffe vom dreidimensionalen
euklidischen Raum und vom linearen Zeitverlauf beschränken
sich also auf unser alltägliches Leben, und wir müssen sie
fallenlassen, wenn wir darüber hinausgehen“ (Capra 1984, S.
179; Hervorh.: W. R.).
Im Alltag ermöglicht uns diese eingeschränkte Auffassung von Raum
und Zeit die Erfahrung von Kontinuität, Vertrautheit und
Vorhersagbarkeit. Unser Vertrauen in die Stabilität unserer
(Um-)Welt ist also eine Illusion aber lebensnotwendig. Ohne sie
gäbe es kein Vertrauen in unsere Existenz psychologisch
gesprochen, kein „Urvertrauen“ (Erikson 1973).
Soziale Umwelten werden als Räume erlebt, in denen sich
Menschen einen Ort suchen, erhalten, einnehmen oder zugewiesen
bekommen; sie „verorten“ sich und werden „verortet“. Diese
Verortung findet in Beziehung zu anderen Orten im Raum statt.