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242
Der Umgang mit Jungen und Mädchen, die sexuell übergriffig
werden, unterscheidet sich nach Alter und Handlungsmuster. Klar
ist, dass reagiert werden muss, es wächst sich nicht aus:
Der fünfjährige Michael nötigt die vierjährige Susanne, seinen Penis in den
Mund zu nehmen und sich dann auf ihn zu legen. Michael arbeitet dabei mit
einem Geheimnis und einer Drohung. Die Erzieherin, die die beiden erwischt,
setzt Grenzen und kümmert sich um Susanne. Susanne bekommt weitergehende
Hilfe. Auch Michael wird unterstützt, er kann in der Therapie erzählen, dass er
das beim Papa auch so machen musste. Der Eindruck entsteht, dass er versteht,
was er Susanne angetan hat.
Die Interventionen bei aggressiven sexuellen Verhaltensweisen
müssen das Lebensalter des Jungen oder Mädchens berücksichtigen.
Jüngere Kinder sind emotional eher mit sich selbst in Kontakt. Sie
verstehen die Situation des Opfers eher. Deshalb kann Opferempathie
bei jüngeren Kindern durchaus anfängliches Ziel pädagogischer und
therapeutischer Interventionen sein. In der akuten Situation besteht die Möglichkeit, bei dem grenzüberschreitenden Kind eigene
Opferanteile zu thematisieren und eine Verbindung herzustellen, da
das ursprüngliche Trauma eher zugänglich ist. In der Hilfeplanung
darf Michaels Verhalten nicht verschwinden. Hypothesen zu den
Ursachen seines Verhaltens und die Möglichkeiten der Korrektur
sind notwendig, um eine Verfestigung des sexuell übergriffigen Verhaltens zu verhindern:
Philipp zwingt den elfjährigen Benn zu Oralverkehr. Damit konfrontiert, gibt
er zu, dass er „Scheiß gebaut hat.“ Weil er kein Vorbild sei, tritt er vom Heimrat
zurück. Die Therapeutin des Heimes kümmert sich um Benn. Aber Philipp kann
oder will nicht nachvollziehen, dass die sexuellen Übergriffe den anderen Jungen
demütigen und nachhaltig schaden. Mit der Zeit tritt eine trügerische Ruhe in
der Wohngruppe ein, die sexuellen Übergriffe werden nicht mehr thematisiert.
Aber sind sie auch verschwunden?
Bei jugendlichen Misshandlern und Misshandlerinnen sind
eigene Opferanteile im Gegensatz zu jüngeren Kindern eher abgespalten. Und sie haben Täterstrukturen mehr oder weniger