2026-001/documents/theory/diagnostics/philipp-sucht-sein-ich/pages/197.md

34 lines
2.3 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

197
Und hier wird deutlich, welche Themen die Mädchen und Jungen
beschäftigten und ihnen die Energie für schulische Erfolge auch
rauben. Das wird leider oft durch ängstliche bis panikartige Befürchtungen bei den Pädagog*innen im Hinblick auf schulisches
Scheitern nur verstärkt, statt dass man eine hilfreichere Haltung
wie es wird sich schon ein Weg für dich finden, auch wenn der
Schulabschluss nicht direkt klappt oder sich gerade jetzt kein Ausbildungsplatz findet entwickelt und vermittelt. Für Kinder wie Jana
und Philipp ist die Auseinandersetzung mit ihren Versagensängsten
und anderen Ängsten genauso wichtig und zukunftsbildend wie die
Unterstützung in schulischen Angelegenheiten. Die Erfahrung, für
die Menschen in ihrer Wohngruppe wichtig zu sein, stärkt Jana. Das
gilt auch für die Erfahrung, dass Selbstkontrolle möglich ist und das
Leben erleichtert, in der Schule und anderswo.
Den erweiterten Lebensraum geschützter pubertierender
Mädchen und Jungen empfinden Jana und Philipp als Bedrohung.
Meist lösen ihre bisherigen Erfahrungen Angst im Umgang mit
Fremden aus. Sie brauchen die Zeit und Unterstützung, um Sicherheit entwickeln zu können. Der immer kompliziertere Übergang
zum Erwachsensein stellt die Jugendhilfe vor die Aufgabe, für
Mädchen und Jungen wie Jana und Philipp Unterstützungsangebote bereitzustellen, die nicht im kurzzeitbetreuten Wohnen ab
dem sechzehnten Lebensjahr enden. Dies gilt in besonderem Maße
für die Mädchen, da diese meist erst in späterem Alter in die Erziehungshilfe kommen und ihnen Zeit zur Neuorientierung und
Lebensplanung gelassen werden muss.
In der Regel verfügen vieler dieser Jugendlichen im Gegensatz
zu Kindern, die in ihren Herkunftsfamilien aufwachsen, kaum über
stabile private Netzwerke und ausreichende materielle Ressourcen.
Sie sollen schneller auf eigenen Beinen stehen, können bei Problemen
aber kaum auf Rückhalt zurückgreifen. Die Reaktivierung der Erfahrung des äußersten Verlassen Seins kann einen fast vollständigen
Verlust der einmal erreichten inneren Sicherheit bewirken. Dazu
kommt die Angst vor dem Bestehen in einer komplizierten Welt. So
verwundert es nicht, wenn die Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- &
Jugendhilfestatistik Folgendes feststellt: „In den Fällen, in denen
Hilfen deutlich über die Volljährigkeit und damit über einen