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146
„Bei Stress versinkt mein Kopf im Nebel“, so die 14-jährige Sonja. Als wär ich
ein Geist, der auf mich runterschaut, so beschreibt Johanna ihre dissoziativen
Zustände und Monika spricht von der Weiß-nix-Zeit.
Sehr klar beschreiben die Mädchen ihre störungswertigen dissoziativen Zustände. Und auch wenn in der Kinder- und Jugendhilfe
Dissoziation als Handlungsauftrag weitgehend dissoziiert ist, lösen
diese Zustände große Verunsicherung aus, sie trennen vom Selbst
und von den anderen. Die Mädchen und Jungen brauchen Hilfe.
Dissoziation war früher ein Überlastungsschutz, diese Erklärung
hilft, die Sinnhaftigkeit zu verstehen. Wenn wir über eine lange Zeit
so agieren mussten, verändert unser Gehirn seine Funktionsweise. Wir
fahren sozusagen im Autopiloten. Der Überlastungsschutz ist dann
ein Dauermodus. Bei der geringsten Kleinigkeit spüren wir uns nicht
mehr, wir verlieren die Kontrolle über das, was wir tun. Wir können
uns in der Schule nicht mehr konzentrieren oder fallen vielleicht sogar
in ein Kurzzeitkoma. Viele erleben solche Situationen auch so, als
würden sie sich selbst von außen beobachten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass dann die Erinnerung an die letzten Stunden wie weggeblasen
ist. Wir können auch die Entwicklung von Persönlichkeitsanteilen
erklären. Manche Lebenssituationen sind so bedrohlich, dass wir um
irgendwie zu überleben diese Erlebnisinhalte in Teile aufspalten, die
sich erst einmal in uns verstecken. Womöglich hatten wir früher Angst,
zu verhungern, also Todesangst. Und weil die schwer aushaltbar ist,
haben wir diese große Angst abgespalten. Sie führt als ein inneres Kind
in uns vielleicht ein ganz junges ein Eigenleben. Möglicherweise ist
da noch ein Teil ein wenig älter , der mit gutem Grund unvorstellbar
wütend ist. Und weil die Wut und der Hass so groß sind, dürfen diese
Teile mit ihren Gefühlen sich nicht zeigen. Vielleicht weil wir Angst
haben, andere zu verletzen. So sehr wir versuchen, diese Teile in uns
zu bekämpfen, sie sind immer da und kommen in der Regel dann zum
Vorschein, wenn wir sie gar nicht brauchen können. (Weiß 2018b)
All dieses Wissen entlastet und macht den Weg frei für Handlungen: