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119
der noch nicht ausreichend entwickelten Ich-Funktionen, dann
wird Ich-Unterstützung planmäßig gefördert, „[…] ein echtes
therapeutisches Milieu solle in ausreichendem Maße Bestandteile
enthalten, die über das augenblickliche Niveau der von Pathologie
her bestimmten Behandlungsmaßnahmen hinaus Wachstum und
Wandlung unterstützen“ (Redl 1987; 1971, S. 84). Eine Vertreterin
der neueren Milieutherapie, Silke Gahleitner benutzt hierfür den
Begriff der schützenden Inselerfahrungen (Gahleitner 2005, S. 63;
2011, S. 40; auch bereits Petzold/Goffin/Oudhof 1993) und betont
auch ein Ergebnis ihrer Studie zur Wirkfaktoren im therapeutischen
Milieu die Bedeutung des Alltags: „Aus dem Zusammenleben im
Alltag, den damit verknüpften sozialen Beziehungen, in denen man
sich mit anderen auseinandersetzt, konstituiert sich interaktiv die
Identität des Menschen.“ (Gahleitner 2011, S. 33). Dazu gehöre auch
„[…] der Respekt vor den Erfahrungen, Interpretationen, Lösungsstrategien und Ressourcen, so wie sie in den jeweils biografisch gegebenen Lebenslagen und Bezügen entstanden sind.“ (ebd., S. 35).
Der Rückgriff auf frühe psychoanalytische Traditionen und das
therapeutische Milieu bedeute jedoch nicht eine Therapeutisierung
des Alltags, sondern eine explizite Betonung pädagogisch verwurzelter Betreuungskonzeptionen, es gehe um ein pädagogischtherapeutisches Milieu (Gahleitner 2016).
In allen hier beschriebenen pädagogischen Konzepten spielt
die Bezugsperson, die professionelle Bindung eine große Rolle,
sodass unbedingt die Bindungstheorie als eine der Wurzeln von
Traumapädagogik gelten muss. Die von Bowlby formulierten
therapeutischen Aufgaben zur Bindungsgestaltung, die ich in Anlehnung an Mary Ainsworth als professionelle Feinfühligkeit bezeichnen möchte, gelten umso mehr für die Traumapädagog*innen
(Bowlby 1995).
6.5
Die Haltung
Ich verstehe Traumapädagogik vor allem als eine Haltung, als
konsequente Menschlichkeit. Aus den oben beschriebenen Wurzeln
gehen viele wertvolle Haltungen hervor. Zwei möchte ich auch