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Die Pädagogik der Selbstbemächtigung Eine traumapädagogische Methode
rolle für ein so weit als möglich selbstbemächtigtes Leben. Methoden der Partizipation korrigieren Erfahrungen von Selbstunwirksamkeit, und schlussendlich bedeutet Selbstbemächtigung auch gesellschaftliche Prozesse zu erkennen und sich
einzumischen. Die Autorin dieses Beitrags durfte das Konzept der Pädagogik der
Selbstbemächtigung im Austausch mit Erfahrungsexpert*innen und vielen Fachmenschen weiterentwickeln, eine Selbstbemächtigung reloaded sozusagen.
Begleitung des Selbstverstehens
Ich beschränke mich in diesem Kapitel auf einen Teil des Dreiklangs des Verstehens: das Selbstverstehen. Die Bedeutung und die Methodik von Verstanden werden sind in diesem Band ausreichend beschrieben, das gilt auch für das gemeinsame Verstehen (Weiß: Die Pädagogik der Selbstbemächtigung; Weiß/Metzenauer).
In meiner traumapädagogischen Arbeit habe ich von den Mädchen* und Jungen*
gelernt, dass sie insbesondere Traumasymptome wie Übererregung, Dissoziation
und Erstarren als eine Entfremdung von sich selbst erleben. Sie leiden unter traumatischen Übertragungen und werden behindert durch das Festhalten an selbstschädigenden Bindungsmodellen. Diese traumatischen Übertragungen sind nicht
bewusst, aber bewusstseinsfähig, wie Karl König dazu sagt (König 2004, S. 16).
Einige dieser »bewusstseinsfähigen Teile« schlummern vor sich hin und behindern die Selbstbemächtigung. Durch die Vermittlung von Fachwissen können sie
identifiziert und einer Korrektur zugeführt werden. Um neue kraftvolle Verhaltensweisen entwickeln zu können, brauchen die Mädchen* und Jungen* Wissen
über die Dynamiken traumatischer Erfahrungen wie z. B. die veränderte Funktionsweise des Gehirns, das Wissen um die Normalität von Übertragungen und um
die Wirkkraft und die Veränderbarkeit von Bindungserfahrungen. Dieses Wissen
hilft, das eigene Verhalten zu verstehen.
Gemeinsam mit Fachmenschen und Expert*innen gelang die Integration weiterer Themen in das Verstehensprogramm, z. B., der dissoziative Mistkreis, das Innere Team, der Umgang mit Scham etc. Nicht alle können hier aufgrund der Menge
methodisch beschrieben werden.
Veränderte Stressregulation
Das Fassmodell ist so einfach wie entlastend: »Wenn du in Deinem Leben viel Stress
hattest, genügt ein kleiner Tropfen und das Fass läuft über. Dann kann es sein, dass
du total ausrastest, erstarrst oder sonst was Blödes machst.« Um die Trigger zu erklären, brauchen wir zusätzlich Wissen über die Veränderung des traumatisierten Gehirns (Abb. 2). Dazu eignet sich das vereinfachte Modell des dreigliedrigen oder
dreieinigen Gehirns (Mac Lean 1990; Levine 2010, S. 313). Dieses besteht aus drei