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Kumulation von Bevorzugungen, bei denen aus unterprivilegierten zu kumulierten Benachteiligungen. Natürlich ist in beiden Gruppen der Prozess der Realitätsverarbeitung produktiv in dem Sinne, dass er individuell suchend und sondierend abläuft. Das jeweilige Ergebnis dieses Prozesses – gemessen an der Fähigkeit, Individuation und Integration miteinander zu verbinden und eine Ich-Identität zu entwickeln – fällt allerdings höchst unterschiedlich aus. Die Faustregel lautet: Je privilegierter die Lebenssituation, desto weniger Risiken in der Ausbildung von Fähigkeiten und Kompetenzen. Den entscheidenden Faktor bilden die individuellen Ausgangsbedingungen, die über die Resilienz (also die Widerstandsfähigkeit) und Fähigkeiten zur Bewältigung ungünstiger Belastungen entscheiden. Von hier aus betrachtet kann tatsächlich gesagt werden, dass Ungleichheiten nicht immer gleich wirken. Zwei weitere Faktoren sind hierfür ausschlaggebend: Zum einen sind die Wirkungen von Ungleichheiten nicht immer kausal, also direkt zu verstehen. Es existiert die Tendenz, immer von einem unmittelbaren Einfluss der sozialen Ungleichheit auf Belastungen und Einschränkungen eines Menschen auszugehen. Forschungsarbeiten, die untersuchen, wie sich Ungleichheiten auf die Gesundheit auswirken, verfolgen einen anderen Ansatzpunkt. Sie gehen nicht von direkten Wirkungen aus, sondern Auswirkungen der »Verwitterung« (im Englischen »wheathering«) aus, die beinhaltet, dass gerade Dauerbelastungen und Stress zunächst eine Sammeltendenz haben und dann beschleunigt die Verschlechterung der Gesundheit bewirken (Allanen et al. 2019). Zum anderen sind Ungleichheiten immer relativ. Auch in sehr wohlhabenden Gesellschaften zeigen sich deutliche Auswirkungen von Ungleichheiten und Armut.