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Realismus der Stufe 1 wird durch einen moralischen Relativismus abgelöst. Was moralisch richtig ist, wird aus der Situation sowie der Perspektive des jeweiligen Handelnden bestimmt. Interessen anderer, die mit den eigenen konfligieren, können wahrgenommen werden, und es werden auch Regelungen für solche Konflikte gesucht. Die Person hat jedoch auf dieser Entwicklungsstufe ein pragmatisch-instrumentelles Motiv, die Befriedigung eigener Interessen zu maximieren und negative Folgen für das Selbst zu vermeiden. Es gilt die einfache Handlungsregel des ›tit for tat‹ – ›wie du mir so ich dir‹. Auf Stufe 3 des so genannten konventionellen moralischen Urteils werden die individuellen Perspektiven in eine Beobachterperspektive der dritten Person integriert. Dies ermöglicht zugleich eine Perspektive der Beziehung, in der die individuellen Interessen den gemeinsamen Interessen der Gruppe untergeordnet werden. Die sozialen Beziehungen beruhen auf der gegenseitigen Anerkennung von Normen der Reziprozität. Dazu gehören Vertrauen, Respekt, Loyalität und Dankbarkeit. Die Geltung dieser Normen resultiert aus einer verallgemeinerten Perspektive, die sich in der ›goldenen Regel‹ ausdrückt: ›Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu‹. Auf Stufe 4 des konventionellen moralischen Urteils beginnt sich die Person als gesellschaftliches Wesen und als Teil eines übergreifenden sozialen Systems zu begreifen. Pflichten und Rechte werden aus der Perspektive des gesellschaftlichen Systems definiert. Auf dieser Entwicklungsstufe steht die Verantwortung als Mitglied einer Gesellschaft im Vordergrund, mit der sich die Person identifiziert.« Die Stufen 5 und 6 der so genannten postkonventionellen Moral beruhen auf einer der speziellen Gesellschaft übergeordneten Perspektive aller rationalen moralischen