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Kritischen Theorie abweicht und viele Motive George Herbert Meads aufnimmt, gleichzeitig aber eine eigenständige soziologische Strömung begründet. In dieser stehen soziologische Handlungstheorien neben psychologischen Entwicklungstheorien und psychoanalytischen Konflikttheorien. Sein Ansatz umfasst zudem eine explizit als solche bezeichnete Sozialisationstheorie (Habermas 1973b). Charakteristisch dafür ist die Annäherung an psychoanalytische Konzepte, um zu erklären, wie die außerfamiliären, durch Staatsherrschaft im Totalitarismus abgesicherten Formen gesellschaftlicher Autorität unmittelbar, also nicht mehr vermittelt durch die Sozialisationsleistung von Vater und Mutter, auf das Kind treffen und die Identitätsbildung beeinflussen. An die Stelle einer bewussten Selbstreflexion, so die Theorie, tritt unter totalitären gesellschaftlichen Bedingungen die herrschaftliche Unmittelbarkeit des gesellschaftlichen Zwangs (Dubiel 2001, S. 49). Das besondere Bemühen von Habermas richtet sich darauf, im Anschluss an den historischen Materialismus von Karl Marx ein analytisches Instrumentarium zur Beschreibung und Erklärung von gesellschaftlichen Bedingungen zur Verfügung zu stellen, das die Freiheitsgrade des sozialen Handelns von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erfasst (Habermas 1976). Gesellschaftliche Bedingungen und Situationen sollen nach ihrem Unterdrückungsgehalt, der Dichte ihrer Verhaltensvorschriften und der Intensität ihrer Handlungskontrolle unterschieden werden. Soziale Konstellationen werden darauf abgefragt, ob sie Interaktionen und Kommunikationen zulassen, die jedem Menschen die Entfaltung seiner Persönlichkeit und die Bildung einer Identität ermöglichen. Die Theorie fragt nach den strukturellen Vorgaben und Möglichkeiten für die Entfaltung von persönlichen Kompetenzen unter konkreten gesellschaftlichen Bedingungen (Habermas 1976, S. 63).