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6.3 Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen
Im Folgenden werden Grundprinzipien und Vorgehensweise der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie detaillierter – als therapieschulenübergreifendes, integratives Konzept – vorgestellt.
6.3.2
Grundkonzept und Praxis der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
Ausgangspunkt der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist der Grundgedanke, dass seelische Prozesse – und eben auch diejenigen, denen Auffälligkeiten oder Erkrankungen zugrunde liegen – ihre Wurzeln in frühen Beziehungserfahrungen und dysfunktionalen Bewältigungen von Entwicklungsaufgaben oder aktuellen Anforderungen haben. Folglich hat Psychotherapie die Aufgabe, neue, entwicklungsförderliche Beziehungserfahrungen und Lernerlebnisse zu ermöglichen, Gelegenheiten zum Verstehen und Verarbeiten nicht bewältigter Konflikte und Erlebnisse zu geben sowie neue Entwicklungsräume – auch zum Ausprobieren neuer Bewältigungsformen – zu eröffnen. Die Bedeutung der Therapiebeziehung Die therapeutische Beziehung wird so als zentrale Grundlage des therapeutischen Prozesses und als »Hintergrundfolie« jeglicher Interventionen gesehen. Eine gute Therapiebeziehung ist zentral für die Motivation, ist mit geringeren Abbruchquoten assoziiert (Sharf et al. 2010) und ist ein Prädiktor für den Therapieerfolg (Horvarth et al. 2011). Zumindest in der personzentrierten und in der tiefenpsychologischen bzw. psychoanalytischen Therapietradition wird die psychotherapeutische Beziehung als der zentrale Wirkfaktor angesehen. Auch in der Verhaltenstherapie wird die Bedeutsamkeit der therapeutischen Beziehung anerkannt (Lammers, 2017) und auch in der Praxis der Therapie umgesetzt, wenn auch der »Arbeitsbeziehung« (im Vergleich zu den emotionalen Anteilen der Beziehung) tendenziell eine etwas höhere Bedeutung zugemessen wird als in der tiefenpsychologischen Therapie, in der der emotionale Aspekt hervorgehoben wird (Dehmel & Borcsa, 2020). Diese Position wird durch die Erkenntnisse der empirischen Psychotherapieforschung bestätigt. Exemplarisch seien die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe von Grawe zitiert, weil sich diese um einen Therapieschulen-unabhängigen Ansatz bemüht hat (vgl. auch Norcross, 2011): »Für die Einzeltherapie ist die Bedeutung der Qualität der Therapiebeziehung für das Therapieergebnis über alle Zweifel erhaben nachgewiesen, und zwar für ganz unterschiedliche Therapieformen (Orlinsky, Grawe & Parks 1994)« (Grawe, Donati & Bernauer 1994, S. 706). »Wenn man alle je untersuchten Zusammenhänge zwischen bestimmten Aspekten des Therapiegeschehens und dem Therapieergebnis zusammennimmt, dann sind Aspekte des Beziehungsgeschehens diejenigen Merkmale des Therapie259