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6 Unterstützungs- und Begegnungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten
kungen zwischen kindlichen Dispositionen, deprivierenden sozialen Entwicklungsbedingungen und dysfunktionalen Familienbeziehungen entstehen. Die Zahl der Kinder, die damit potenziell für eine Frühförderung infrage kommen, ist damit sehr groß und übersteigt – als Hilfesystem für so breit gefächerte Bedürfnisse von Kindern und Familien – die Kapazität der meisten Frühförderstellen. Für die Perspektiven der Weiterentwicklung des Systems Frühförderung bedeutet dies, dass zwischen ›Kerngeschäft‹ und ›kooperativen Beiträgen‹ unterschieden werden muss (Weiß 2005). Die Kernaufgaben betreffen die Beratung und Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder vom Säuglings- bis zum Kindergartenalter und im Kindergartenalter. Kooperative Beiträge können von den Frühförderstellen z. B. zur Nachsorge frühgeborener Kinder, zur Früherkennung von Entwicklungsproblemen im Kindergarten, zur Unterstützung der Integration von Kindern im allgemeinen Kindergarten oder bei niedrigschwelligen Hilfen für Kinder und Eltern in Armutsquartieren geleistet werden. Die Angebote müssen bedarfsgerecht differenziert und flexibilisiert werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen hinsichtlich Entwicklungspro- blemen, Lebenslagen, Familienstrukturen und Herkunft gerecht zu werden« (Sarimski, 2022, S. 14). Entwicklung der Frühförderung In der Anfangszeit der Frühförderung, in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, stand vor allem die individuelle »Kindförderung« im Vordergrund (Speck 2003). In Deutschland begann dann Mitte der 1970er Jahre der Aufbau flächendeckender Netzwerke für Frühförderung. Zu Beginn waren diese überwiegend an Sonderschulen angebunden. Durch das Engagement freier Träger der Wohlfahrtspflege gab es einen schnellen Ausbau regionaler Frühförderstellen. Konzeptionell hat dies zu der Ausrichtung einer psychologischen sowie heil- und sonderpädagogischen Fachlichkeit geführt (vgl. Weiß et al. 2004, S. 149). Aus der Erfahrung heraus, dass Eltern nicht nur angeleitet werden, sondern auch motiviert werden mussten, wurden sie später als »Ko-Therapeuten« eingebunden, wodurch sie häufig unter Druck gesetzt wurden (Weiß et al. 2004, S. 148). Es kam zur Weiterentwicklung, zum sog. »Kooperationsmodell« (Speck 2003): Das Wohlergehen der gesamten Familie in ihrem Umfeld, Überwindung der Zentriertheit auf Mutter und Kind, Wahrnehmung elterlicher Bedürfnisse, Präsenz der Väter, Situation der gesunden Geschwister sind Schlagworte dieser neuen Sichtweise. Diese Veränderungen prägen den Begriff des Paradigmenwechsels innerhalb der Frühförderung (ausführliche Beschreibung hierfür in Steinebach 1997, S. 50 ff). Durch diesen Paradigmenwechsel entstand eine neue Sichtweise, die auch die Kostenträger immer direkter formulieren. So soll die systemische Entwicklungsförderung die Förderung der psychosozialen Entwicklung im Auge haben und Lernfähigkeit, Lernbereitschaft und soziale Kompetenz anbahnen (Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 2002). Dieser Sichtweise folgend, wird Frühförderung SGB IX als Komplexleistung definiert. Diese kommt dann zum Tragen, »wenn bei einem Kind sowohl medizinisch230