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Raw Blame History

5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

»Nach Essau et al. (2002) liegen bei 80 % der Jugendlichen mit einer Störung durch Alkoholkonsum auch andere Störungen vor. Bei 20 % der Adoleszenten mit komorbiden Störungen konnten internalisierende, bei 35 % externalisierende und bei den restlichen 45 % beide Störungsformen gefunden werden« (Al-Wiswasi 2004, S. 54). In Behandlungsstichproben »wird am häufigsten eine Störung des Sozialverhaltens diagnostiziert. Die Prävalenzraten variieren je nach Untersuchung zwischen 28 und 62 %« (Thomasius 2006, S. 18). Al-Wiswasi (2004) beschreibt eine Vielzahl von Studien zur Komorbidität von aggressivem bzw. dissozialem oder delinquentem Verhalten, das in Zusammenhang mit den Störungen des Substanzkonsums auftritt (ebenso: Lösel et al. 2003). Dabei geht die Diskussion, ob massiv und dauerhaft auftretendes aggressives/ gewalttätiges Verhalten zu Störungen durch Substanzkonsum (SSK) führt oder umgekehrt, dahin, dass zusammen mit den SSK ein enthemmtes Verhalten, eine veränderte Situationswahrnehmung und aggressives/gewalttätiges Verhalten (dauerhafter) gezeigt werden. In einer integrierenden Betrachtung liegen laut Al Wiswasi (2004, S. 52 f.) sowohl bei den Störungen des Substanzkonsums (SSK) als auch bei gewalttätigem Verhalten ähnliche Risikofaktoren v. a. ein negatives Familienklima, eine inkonsistente Erziehung, eine mögliche Psychopathologie der Eltern und häufiger auch ein niedrigerer sozioökonomischer Status vor. Im Verlauf der Entwicklung können die mit diesen Risikofaktoren verbundene mangelnde Impulskontrolle und ein geringes Normverständnis zu zunehmenden sozialen Konflikten und auch schulischen Problemen führen. Substanzkonsum kann dabei einerseits zum Verdrängen dieser Probleme führen, andererseits zur Enthemmung, zum schnelleren Ausführen gewalttätiger Handlungen ein negativer, sich wechselseitiger verstärkender Kreislauf der Symptome setzt ein. In der Adoleszenz wird eher die Nähe von Peergruppen mit ähnlichen Verhaltensweisen gesucht, in der sowohl Substanzkonsum als auch Gewalthandeln als normgerecht angesehen wird, so kommt es erneut zur Verfestigung beider, jetzt miteinander verbundener Symptomkomplexe. Auf nötige Differenzierungen weisen aufgrund ihrer Ergebnisse Lösel et al. (2003) hin; sie betonen, dass sowohl der Umgang mit Drogen als auch »jugendtypische Formen der Delinquenz »Entwicklungsaufgaben des Jugendalters sind, die bewältigt werden müssen (s. u.) und dass es nur bei einer geringen Zahl von Jugendlichen zur Ausbildung von Auffälligkeiten in beiden Bereichen kommt. Weitere hohe Komorbiditäten bestehen zu depressiven Störungen (nach Thomasius Studienergebnissen zwischen 16 und 21 %; Thomasius 2006) und zu Angststörungen. Ursachen, Erklärungsansätze Offensichtlich hängt die Ausbildung der Abhängigkeit von Alkohol oder illegalen Drogen mit dem Jugendalter zusammen. Jungblut (2004) bezeichnet den »Drogengebrauch als Life-Time Phänomen des Jugendalters« (ebd., S. 179 ff). Wie dar212