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3.3 Integratives bio-psycho-soziales Modell zur Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten
Nach Petermann & Wiedebusch (2003) findet in der Eltern-Kind-Interaktion »eine gemeinsame Regulation von Gefühlen« statt. »Dabei sind die Neugeborenen noch ganz auf die eine Regulation ihrer Emotionen durch die Bezugspersonen angewiesen, während ältere Säuglinge und Kleinkinder in zunehmendem Maße geringe emotionale Belastungen selbst regulieren können, jedoch beim Erleben negativer Gefühle auf Bewältigungshilfen seitens der Eltern angewiesen sind« (ebd., S. 62; vgl. auch Papousek 2004). Lachmann (2004) betont besonders das interaktive Element der Ko-Regulation: gemeinsame Regulation bedeutet, »dass das Verhalten eines jeden Partners das des anderen beeinflusst. Das bedeutet zugleich, dass das Verhalten von A prädiktiv ist für das Verhalten von B und umgekehrt (…). Der Säugling lernt, bestimmte Muster der Selbst- und interaktiven Regulation zu erwarten (Beebe & Lachmann 1988, Stern 1992, 1998). Die Erwartung reziproker Responsivität und die Erwartung eines optimalen Grades an Nähe und Distanz in den Interaktionen, das Rechnen mit Übergriffen oder die Angst vor ihnen – all das wird interaktiv reguliert« (ebd., S. 54 f, vgl. auch Fonagy & Target 1997). Tab. 3.2: Entwicklung von der inter- zur intrapsychischen Emotionsregulation nach Friedlmeier (1999) (aus: Petermann & Wiedenbusch, 2003, S. 65; mit freundlicher Genehmigung des Hogrefe Verlags) Phasen der Emotionsregulation nach Friedlmeier (1999) 1.–2. Lebensmonat
Die Bezugspersonen regulieren das Erregungsniveau des Säuglings, indem sie ihn vor Übererregung schützen und bei negativen emotionalen Reaktionen beruhigen.
3.–6. Lebensmonat
Die Säuglinge tolerieren bereits höhere Erregungszustände und entwickeln Distress-Erholungs-Zyklen. Außerdem können sie ihre visuelle Aufmerksamkeit steuern und von einer Erregungsquelle abwenden.
6.–12. Lebensmonat
Die Regulationsstrategien des Säuglings erweitern sich: zum einen kann er sich durch Blickkontakt am Verhalten der Eltern orientieren und zum anderen ist er aufgrund seiner fortschreitenden motorischen Entwicklung in der Lage, sich aus emotional erregenden Situationen zurückzuziehen.
2.–5. Lebensjahr
In dieser Altersspanne vollzieht sich der Wechsel zur intrapsychischen Emotionsregulation. Die Kinder setzen zunehmend eigenständige Regulationsstrategien ein, suchen aber bei stärkerer emotionaler Erregung weiterhin nach sozialer Unterstützung durch die Bezugspersonen.
ab dem 5. Lebensjahr Die Kinder regulieren ihre Emotionen in der Regel selbständig und ohne soziale Rückversicherung.
Fonagy et al. (2004) betonen dabei die hohe Bedeutung des »Spiegelns« der kindlichen Affekte durch die Eltern: »(Wir) haben Kongruenz und Eindeutigkeit als Qualitäten der elterlichen Spiegelfunktion identifiziert, die von essenzieller Bedeutung für das Kind sind, um die Fähigkeit zu einer sogenannten sekundären Repräsentanz seiner affektiven Zustände zu entwickeln« (ebd., S. 219); fehlt es an 49