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Durch die Begleitung des Selbst-Verstehens und die Anregung weitgehender Verstehensprozesse wird ein Verstehen des individuellen Gewordenseins Scham und Schuld minimieren und das Gefühl ‚Irgendwie anders‘ zu sein korrigieren. Selbst-Verstehen minimiert Schuld und Scham und erhöht die Sicherheit. Die größte Wirkkraft hat das gemeinsame Verstehen, das Verstehen von Profis und Expert*innen und das Verstehen unter Gleichen. „Verstehen ist in diesem Sinne nicht nur ein kognitiver Akt, sondern vielmehr die Beantwortung einer Erkenntnis – die Resonanz innerhalb eines Kontaktes, es geht darum gehört zu werden und an den Erfahrungen der Anderen teil zu haben.“ (Sauerer/Weiß 2020, S. 637). Miteinander sprechen und gemeinsam verstehen, schafft Identität. „Erst im Dialog mit anderen wird das Erlebte eigentlich begriffen und zur Erfahrung ausformuliert […] und die Fäden der personalen Identität aufgenommen und geflochten.“ (Emcke 2016, S. 52 f.) Eine besondere Bedeutung hat das Verstehen unter Gleichen. „Während der Arbeit am Buch lasen die Mädchen sich gegenseitig ihre Geschichten, die herausfordernden Lebensumstände – ihren Schlamassel – vor. Diese Zusammenkünfte hatten eine ganz besondere Dichte. Alle Vorurteile waren aufgehoben, selbst Schuld und Scham konnte in den Hintergrund rücken oder aber offen angesprochen und versorgt werden. Das Versorgen der Reaktionen und ausgelösten Gefühle war ein sehr liebevoller und zugewandter Prozess. Die Mädchen gingen aufeinander ein, erkundeten neugierig, was die andere brauchen konnte, was ihr helfen konnte. Sie glichen ihre eigenen bisher besten Lösungsstrategien und Hilfsmittel ab, sie lernten voneinander neue Möglichkeiten der Beruhigung und Versorgung.“ (Weiß et al. 2018, S. 179) „Wenn wir Mädels geredet haben und über das Verstehen geredet haben, hatten wir so eine Kraft einfach, also so eine gemeinsame Kraft, weil uns einfach klar wurde, dass wir mit der Scheiße nicht alleine da stehen, dass wir uns einfach gegenseitig aufgebaut haben und wir uns das Gefühl gegeben haben, dass es ok ist, wie wir sind […]“ (Weiß/Melonie/Söder 2019, S. 154)