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der Heranwachsenden aus den Bedürfnissen, der ›inneren Ökonomie‹ der jeweiligen Gesellschaft abzuleiten und zugleich nachzuweisen, daß die Gesellschaft für ihr Überleben, für ihren inneren Zusammenhalt auf die ihr entsprechende Sozialisation angewiesen sei. Die Gesellschaft – so Durkheims zentrale These – werde nicht primär durch äußeren Zwang, durch Gesetze und polizeiliche Maßnahmen oder durch ein an den Tauschprinzipien des Marktes orientiertes Nützlichkeitsdenken der Individuen zusammengehalten. Sie müssen vielmehr die überlebensnotwendigen Regeln der Gesellschaft durch Erziehung und Sozialisation als zweite Natur verinnerlicht haben, wenn das gesellschaftliche Zusammenleben funktionieren solle.» (Baumgart 2004, 32) Durkheim ist mit dieser Fokussierung nicht nur mitten im Geschehen der Sozialisationstheorien, er ist sogar eine Art Provokateur. Denn tatsächlich ist er streitbar. Sein Plädoyer für die Anpassung der unzivilisierten Natur des Menschen an die Anforderungen des moralischen Handelns ist aus heutiger Perspektive eine Streitschrift gegen die humanistische Erziehung. Durkheim ist ein Konservativer, würde man wahrscheinlich sagen und ihm damit Unrecht tun. Tatsächlich bewertet man sein Eintreten für die methodische Sozialisation falsch, wenn man es nur als das autoritäre Durgreifen von oben versteht. Durkheim ist vielmehr darüber besorgt, dass Gesellschaften, die ihre Traditionen abwerfen und in den Strudel markvermittelter Konkurrenzgesellschaften gezogen werden, nicht mehr zusammenhalten könnten. Sein Eintreten für die methodische Sozialisation ist also so etwas wie das Gegengewicht zu den frei flottierenden Mächten des gesellschaftlichen Wandels, die selbst immer eine sozialisierende Funktion haben – aber eben eine, die nicht zu kontrollieren ist, auch wenn sie destruktive Kräfte freisetzt.